2. Von der hebräischen zur griechischen Bibel

Erstellt: Dienstag, 20. Oktober 2020 Zuletzt aktualisiert: Montag, 26. Oktober 2020

 

Die frühe Kirche nahm Dogmen auf, die von den Lehren des Messias und der Apostel abweichen. Die ersten Kirchenlehrer wurden in den hellenistischen Schulen unterrichtet und von ihnen beeinflusst. Diese Kirchenmänner integrierten das heidnische Wahrheitsdenken in die christliche Theologie und versuchten, es mit den biblischen Aussagen zu harmonisieren. Dabei folgte der Kirchengelehrte Augustinus (354-430 u.Z.) den Ideen Platons. Der bedeutendste katholische Theologe Thomas von Aquin (1225-1274) baute auf den Theorien Aristoteles auf.

 

Diese Ausarbeitung ist Teil der Artikelserie „Der Weg der Erlösung zurück zur Sabbatruhe.

 

Inhalt dieses Artikels               (Auf dieser Seite 2. Kapitel)

 

Nicht nur die Kirchenväter formten das biblische Wahrheitsverständnis durch die griechische Denkart. Schon das hellenistische Judentum versuchte, die hebräische Tradition mit der Kultur und der Sprache der Griechen zu synchronisieren. Jüdische Theologen wie Philon von Alexandrien verglichen z.B. Platon mit Mose. Der Kontakt des Judentums mit der hellenistischen Kultur zeigt vor allem die Septuaginta (LXX), die erste griechische Übersetzung des hebräischen Alten Testaments, die bereits 200 Jahre vor dem Messias abgeschlossen war.

Diese griechische Übersetzung der Schriften des Alten Bundes ist sicher eine Meisterleistung. Denn es galt die Aufgabe zu bewältigen, einer griechischen Welt, in der die Juden kaum noch hebräisch kannten, die, der hebräischen Sprache innewohnende Wahrheitsvorstellung den Menschen nahezubringen, ohne sie zu verfälschen. So hat die griechische Sprache einen anderen Sinngehalt in dem Wort „Wahrheit“.

Ganz konnte dies sicher nicht ausgeschlossen werden. Man bediente sich griechisch-philosophischer Begriffe, die später in die Evangelien und Briefe Paulus übernommen wurden. Ersetzt man einen hebräischen Begriff durch ein griechisches Wort, ist es kaum zu vermeiden, dass der ursprüngliche Sinn des Wortes in beiden Sprachen ein wenig verändert wird. Im Griechischen bekommt das Wort eine Bedeutung, die es von Haus aus nicht hat. Liest man später dasselbe Wort im Hebräischen, so hat es nicht mehr exakt die ursprüngliche Bedeutung. Das Wort „Wahrheit“ bekommt in beiden Sprachen einen Sinngehalt, der im ursprünglichen Hebräisch und im Griechischen vor der Übersetzung der Septuaginta sowie im Profangriechischen nicht zu erkennen ist.

Gelehrte uebersetzenDiese griechische Übersetzung des Alten Testaments prägte die Schriften des Neuen Testaments. Es wurde von Juden geschrieben, die zum Glauben in und an den Messias gekommen sind. Sie sind in der hellenistischen Welt aufgewachsen, für die die Schriften des Alten Bundes Grundlage ihres Glaubens und ihres Handelns war. Die griechischen Evangelien sind in ihrer Wahrheitsvorstellung deshalb keineswegs typisch griechisch, wie es oft anhand des Johannesevangeliums behauptet wird. Vor allem aber zeigen die Briefe des Apostel Paulus, allen voran der Hebräerbrief, dass Paulus als jüdischer Schriftgelehrter mehr in der hebräischen Denkweise verwurzelt war als in der Griechischen.

Das heißt, die Schreiber des Neuen Testaments, die sich auf die Septuaginta stützten, verwendeten einen griechischen Wahrheitsbegriff, der den hebräischen Sinn enthält. Für antike Hebräer einige Jahrhunderte zuvor, mag er freilich einen noch tieferen Sinngehalt gehabt haben. So findet sich in der Septuaginta nur selten der abstrakte griechische Wahrheitsbegriff, wie wir ihn kennen. Vielmehr wird der hebräische Wahrheitsgehalt übertragen, der die Handlung und die Erfüllung in den Vordergrund stellt. So heißt es z.B. nicht: „Wahrheit sein“, sondern: „Wahrheit tun“ – ein Begriff, der der griechischen Sprache bis dahin fremd war.

infoEs ist bekannt, dass auch die deutsche Bibelübersetzung durch Martin Luther auf die deutsche Sprache und Literatur einen großen Einfluss hatte und diese sogar entscheidend prägte. Er hat mit seiner Übersetzung der Bibel die deutsche Schriftsprache, wie wir sie heute kennen, erst geschaffen. Bis zu Luthers Übersetzung gab es unterschiedliche Dialekte, die keine gemeinsame Schriftsprache kannten. Er übersetzte die Bibel so, dass sie nicht nur die Gelehrten verstehen konnten, sondern auch die Knechte und Mägde, die nicht schreiben und lesen konnten. Wörter wie friedfertig, wetterwendisch, Langmut, Lästermaul, Morgenland oder Denkzettel gehen auf Luthers Bibelübersetzung zurück. Das Wort „Denkzettel“ wählte er dabei für die Übersetzung des jüdischen Gebetsriemens (Matthäus 23,5). Denn durchschnittliche nicht-jüdische Menschen konnten damals mit diesem Begriff wenig anfangen. In revidierten Bibelübersetzungen, wie der Elberfelder, blieb man bei dem Wort „Gebetsriemen“. Das hebräische Wort dafür sagt mehr aus als nur das „Denken an das Gesetz“. Es bedeutet die Verbindung des Verstandes mit dem Herzen. Das heißt, es geht nicht nur um das Halten der Gebote, sondern darum, dass alle Handlungen von Herzen kommen. Viele weitere Redewendungen, die heute geläufig sind, gehen auf Martin Luther zurück, wie z.B.: „Mit Blindheit geschlagen sein“ (1. Mose 19,11), „Wolf im Schafspelz“ (Matthäus 7,15) oder „auf Sand bauen“ (Matthäus 7,26).

Es gibt somit einen Unterschied zwischen dem Griechischen des griechischen Alten Testaments und dem Profangriechisch, wie es die Menschen damals sprachen. Die griechische Septuaginta wurde damit zu einer Brücke von der Sprach- und Denkwelt der hebräischen Bibel zum Denken der Griechisch sprechenden Welt.

Die meisten Menschen zur Zeit des Messias lasen die Schrift in der griechischen Übersetzung. Und dennoch waren sie, wie unser Erlöser JaHuWschuaH selbst, in einer aramäisch-hebräischen Denk- und Sprachkultur verwurzelt. Ich nehme an, dass die Gläubigen damals die griechischen Ausdrücke noch deutlicher mit dem hebräischen Sinngehalt verstanden haben, als wir sie heute durch die vielen Jahrhunderte der kulturellen und sprachlichen Veränderungen verstehen.

Bibelkritiker beanstanden heute vermeintliche Widersprüche in der Bibel. Dabei werden jedoch häufig die Eigenheiten der ursprünglichen hebräischen Sprach- und Denkweise nicht beachtet. Im Alten Testament wird oft derselbe Sachverhalt an anderer Stelle von einem anderen Standpunkt aus betrachtet und mit anderen Worten wiederholt. Oder ein späterer Schreiber berichtet die Begebenheit aus seiner Sicht und mit zusätzlichen Angaben.

Diese unterschiedlichen Sichtweisen auf ein Geschehen fügen sich im Gesamtzusammenhang zu einem tieferen Verstehen des Erlösungsplanes. Ein Beispiel dafür sind die beiden Schöpfungsberichte in 1. Mose 1+2. Ein anderes Beispiel findet sich im Hebräerbrief. Dort vergleicht Paulus das Himmelreich einmal mit dem Geist des Messias, der schon heute im Herzen des Menschen wirkt. Ein andermal schildert er es als das zukünftige Reich in den himmlischen Regionen bzw. auf der neuen Erde ohne Leid und Tod. Ich werde auf beide Beispiele in späteren Kapiteln der Artikelreihe zur Sabbatruhe näher eingehen.

Verwendete Literatur

 

Nächstes Kapitel 3: Die Denkwelt der antiken Hebräer und Griechen

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