5. Treu, barmherzig, zuverlässig, beständig = Gerechtigkeit

Erstellt: Freitag, 23. Oktober 2020 Zuletzt aktualisiert: Montag, 26. Oktober 2020

 

Wahrheit ist eine Gabe des Geistes, aber nach hebräisch-biblischem Verständnis ist sie vor allem eine Herzensangelegenheit. Wahrheit ist demnach kein Wissen über einen tatsächlichen Sachverhalt. Sie hat vielmehr mit der inneren Haltung des Menschen zu tun.

 

Diese Ausarbeitung ist Teil der Artikelserie „Der Weg der Erlösung zurück zur Sabbatruhe.

 

 

Inhalt dieses Artikels               (Auf dieser Seite 5. Kapitel)

  1. Was ist Wahrheit? - Biblisch-hebräisches Denken
  2. Von der hebräischen zur griechischen Bibel
  3. Die Denkwelt der antiken Hebräer und Griechen
  4. Wahrheit tun, Wahrheit geschieht
  5. Treu, barmherzig, zuverlässig, beständig = Gerechtigkeit
  6. Herzenswahrheit – ein Beziehungsgeschehen
  7. Wahrheitserfüllung einer Verheißung
  8. Wahrheit als sich entfaltender Plan in der Zeitgeschichte
  9. Leben in der Wahrheit – Ein dringender Appell

 

Hand festhalten© AERC / pixabay.comWahrheit ist eine Gabe des Geistes, aber nach hebräisch-biblischem Verständnis ist sie vor allem eine Herzensangelegenheit. Wahrheit ist demnach kein Wissen über einen tatsächlichen Sachverhalt. Sie hat vielmehr mit der inneren Haltung des Menschen zu tun.

Das hebräische Wort für „Wahrheit“ gibt uns aufschlussreiche Hinweise über dessen Sinngehalt. Ein Vergleich mit anderen semitischen Sprachen zeigt, dass die Wortwurzel von ämät (Wahrheit) eine tiefere Bedeutung hat, als unsere Vorstellung von Wahrheit vorgibt. Ämät drückt ein „treu sein“ bzw. „vertrauen“ aus. Geschieht ämät, können wir uns „sicher fühlen“.

Dieses Wort ämät hat damit die Bedeutung von: Beständigkeit, Bestand, Zuverlässigkeit, Gewissheit, Sicherheit, Ehrlichkeit, Treue. Verhalten wir uns unserem Nächsten der Wahrheit entsprechend, wird er nicht zu Fall kommen, weil sich eine Aussage oder ein Versprechen, auf das dieser sich verlassen hat, als bestandskräftig erweist. Unser Schöpfer gibt uns diese Zusicherung, wenn wir glauben.

„Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht!“ (Jesaja 7,9; Lutherübersetzung)

Diese Aussage ist ein hebräisches Wortspiel, das Luther bei seiner Übersetzung als solches beibehalten wollte. Weil es wohl nicht so gut verstanden wird, haben andere Übersetzungen, wie die Elberfelder oder die Schlachter 2000, den Satz so übersetzt: „Wenn ihr nicht glaubt, so werdet ihr gewiss keinen Bestand haben!“ Diese Übersetzung ist gut und richtig, aber sie lässt die Beziehung des Schöpfers mit den Menschen vermissen. Hans Freiherr von Soden (1881-1945) hat dieses hebräische Wortspiel treffender ausgedrückt:

„Wenn ihr euch nicht an Mich haltet, so könnt ihr euch nicht halten.“

Hier ist JaHuWaH kein weit entfernter Gott, sondern ganz nah bei den Menschen – ja so nah, dass man sich sogar an Ihm festhalten kann. Sowohl ämät (Wahrheit) als auch das von derselben Wurzel abgeleitete Wort aman (Glaube oder glauben) beschreiben die Beziehung zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer. Die Beziehung der Menschen untereinander wird damit gleichermaßen ausgedrückt. Beide Worte stehen für die Beständigkeit, Zuverlässigkeit und für die Treue einer Person.

„... [JaHuWaH], du bist mein Gott; ich will Dich erheben, preisen will ich Deinen Namen; denn du hast Wunder gewirkt, Ratschlüsse von fern her, Treue und Wahrheit [andere Übersetzung: zuverlässig und beständig].“ (Jesaja 25,1)

„Ich will sie herbeibringen, dass sie mitten in Jerusalem wohnen sollen; und sie werden Mein Volk sein, und Ich will ihr Gott sein in Wahrheit [andere Übersetzung: in Treue] und Gerechtigkeit.“ (Sacharja 8,8)

„Das Gesetz der Wahrheit [andere Übersetzung: zuverlässige Unterweisung] war in seinem Mund, und nichts Verkehrtes wurde auf seinen Lippen gefunden; er wandelte mit mir in Frieden und Aufrichtigkeit, und viele brachte er zur Umkehr von der Missetat.“ (Maleachi 2,6)

infoDas Wort ämät wird auf der zweiten Silbe betont. Das erste ä wird nur flüchtig gesprochen.

Das Wort ämät hängt zudem mit dem Verbaladjektiv „Amen“ zusammen, welches meist am Gebetsende gesprochen wird. Das Wort Amen ist im Grunde das Wurzelwort für Wahrheit und Glaube. Es bedeutet ebenfalls treu, wahrhaftig, fest. Man könnte ein Gebet damit auch so beenden: „Ich glaube, dass Du mich trägst.“ Oder „Ich glaube, dass Du Deine Verheißung wahr werden lässt.“ Oder „Ich vertraue Dir und auch ich bleibe Dir treu.“ Oder „Dein barmherziger, vertrauensvoller und gerechter Wille geschehe.“

Ursprünglich war das Wort Amen das Akzeptieren eines Bundes, als Antwort auf einen Fluch. Derjenige, der verflucht wurde, akzeptiert den Fluch, indem er sich daran bindet, gewisse Konditionen zu erfüllen. Falls er sich nicht daran hält, ist er dem Fluch ausgeliefert (5. Mose 29,15-26). So wurde das Amen ebenso am Ende des Gesetzesbündnisses gesetzt: „Verflucht sei, wer nicht aufrechterhält die Worte dieses Gesetztes, sie zu tun!“ (5. Mose 27,26). Später wurde es eingesetzt, um eine Rede zu bestätigen, bzw. als wahrhaftig anzuerkennen.

In der Bibel geht es immer um Segen oder Fluch. Segen und Fluch sind die Folgen von Gut und Böse, von Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit (Psalm 109,17-18; Sprüche 3,33; Jesaja 24,6; Jeremia 44,8; Daniel 9,11; Maleachi 2,2). Im Alten Bund lastete der Fluch auf den Menschen, der ein Gesetz übertrat.

Holzbalken DornenkroneIm Neuen Bund sind wir von diesem „Fluch des Gesetzes“ frei, wenn wir JaHuWschuaH annehmen und Seinen Geist in unserem Herzen haben. Denn Er selbst wurde um unsertwillen zum Fluch (Galater 3,13). Er hat buchstäblich die Weissagung erfüllt: „Verflucht ist jeder, der am Holz hängt“ (5. Mose 21,23). Im Alten Bund galt für gewisse Sünden die Todesstrafe. Wenn der Gesetzesübertreter gehängt wurde, so musste er am selben Tag abgenommen und begraben werden, weil der Gehängte „ein Fluch Gottes“ ist.

So betrachtet, wurde der Sohn JaHuWaHs von dem Zeitpunkt im Gethsemane (Markus 14,32-42) an, bis zu Seinem Tod am Kreuz zum „Fluch JaHuWaHs“ . Weil unser Erlöser an unserer statt diesen Fluch auf sich nahm (siehe Matthäus 26,29), besagt das „Amen“ am Ende des Gebetes seither, dass wir Seinen Tod für uns annehmen und wir bestätigen den Bund mit Ihm. Wir besagen damit, dass wir darauf vertrauen, dass Er Seine Verheißung erfüllt: Sein Geist in uns und am Ende das Ewige Leben (vgl. Offenbarung 22,1-4).

Im Gegenzug versichern wir damit, dass wir Ihm treu bleiben werden und keinen anderen Erlöser und keine andere Erlösung für uns gelten lassen. „Im Namen JaHuWschuaHs, unseres Erlösers, Amen!“ Mit diesem Gebetsende drücken wir nicht nur aus, dass wir keinen falschen Messias folgen, sondern zudem, dass wir die „Werke des Gesetzes“ aufgeben wollen. „Denn alle, die aus den Werken des Gesetzes sind, die sind verflucht.“ (Galater 3,10). Wir dürfen uns nicht auf den Buchstaben des Gesetzes stützen, sondern auf den lebendigen Geist JaHuWaHs durch Seinen Sohn, der uns im Neuen Bund leitet. JaHuWschuaH ist uns treu und wir stehen treu zu Ihm – das ist Wahrheit. In den Schriften des Alten Bundes wird das Wort ämät deshalb mal mit Wahrheit, mal mit Treue übersetzt.

„Ich bin zu gering für alle Gnade und Treue [ämät], die du an deinem Knecht bewiesen hast!“ (1. Mose 32,11)

„Doch du bist gerecht in allem, was über uns gekommen ist; denn Du hast nach der Wahrheit gehandelt [ämät; andere Übersetzung: Treue bewiesen], wir aber haben gottlos gehandelt.“ (Nehemia 9,33)

„Und ... [JaHuWaH] ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: ... [JaHuWaH, JaHuWaH], der starke Gott, der barmherzig und gnädig ist, langsam zum Zorn und von großer Gnade und Treue [andere Übersetzung: Wahrheit].“ (2. Mose 34,6)

„Denn mächtig über uns ist Seine Güte; und die Wahrheit [andere Übersetzung: Treue] ... [JaHuWaH] währt ewig. HalleluJaH!“ (Psalm 117,2)

„... [JaHuWaH] ist nahe allen, die Ihn anrufen, allen, die Ihn in Wahrheit [andere Übersetzung: in Treue] anrufen;“ (Psalm 145,18)

„Doch Du bist gerecht in allem, was über uns gekommen ist; denn Du hast nach der Wahrheit gehandelt [andere Übersetzung: Treue bewiesen], wir aber haben gottlos gehandelt.“ (9,33)

„In Deine Hand befehle ich meinen Geist. Du hast mich erlöst, ... [JaHuWaH], Du Gott der Wahrheit [andere Übersetzung: treuer Gott]!“ (Psalm 31,6)

„Siehe, du hast Gefallen an der Wahrheit [andere Übersetzung: Aufrichtigkeit] im Innern und im Verborgenen wirst du mir Weisheit kundtun.“ (Psalm 51,8)

Das hebräische Wort, das hier mit „im Inneren“ übersetzt wurde, bedeutet wortwörtlich „Nieren“. Das heißt, dass der Mensch gemäß seinem Gewissen aufrichtig vor JaHuWaH wandeln soll. Die Nieren stehen oft sinnbildlich für das Gewissen. Wie die Nieren Nutzstoffe von den Schadstoffen filtern, so unterscheidet das Gewissen zwischen Gut und Böse.

„Denen, die Dich fürchten [andere Übersetzung: Deine Getreuen], hast du ein Banner gegeben, dass es sich erhebe, um der Wahrheit willen [andere Übersetzung: angesichts Deiner Treue].“ (Psalm 60,6)

Das Wort, das im Deutschen hier mit „fürchten“ wiedergegeben wird, ist mehr ein Fürchten im Sinne von verehren, ehren, achten. Eine Ehrfurcht und Staunen vor jemanden, der große Macht hat bzw. der über dem Menschen steht. Das heißt, sich dem Schöpfer unterzuordnen und anzuerkennen, dass der irdische Mensch die Dinge bei Weitem nicht so überblicken kann, wie Sein Schöpfer. Der Mensch würde falsch handeln, weil er nicht die Weitsicht, Allsicht und Weisheit JaHuWaHs besitzt (vgl. Jesaja 55,7-11).

Das Verb „fürchten“ wird gleichermaßen gebraucht, wenn man über die Majestät und Heiligkeit eines Ortes staunt. So rief Jakob, nachdem er von der Himmelsleiter geträumt hatte: „Wie furchtgebietend [andere Übersetzung: Heilig] ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als das Haus Gottes, und dies ist die Pforte des Himmels!“ (1. Mose 28,17)

Abraham hatte diese „Gottesfurcht“, denn er vertraute vollkommen seinem Gott. JaHuWaH befahl ihm, nachdem er sogar treu das menschlich Unmögliche ausführen wollte: „Lege deine Hand nicht an den Knaben und tue ihm gar nichts; denn nun weiß Ich, dass du Gott fürchtest, weil du deinen einzigen Sohn nicht verschont hast um Meinetwillen!“ (1. Mose 22,12).

„Abram glaubte [aman] JaHuWaH, und das rechnete Er ihm als Gerechtigkeit [zedaka] an.“

Abraham „glaubte“ (aman) JaHuWaH. Er war Ihm treu (ämät) in dieser Situation, als der Allmächtige seinen Glauben und Seine Treue so sehr prüfte. Das ist ein lebendiger Glaube, und das ist gelebte Wahrheit: An jedem Tag und zu jeder Zeit JaHuWaHs Stimme hören und Ihm folgen. Abraham wurde diese Treue als Gerechtigkeit angerechnet und es zeigt, wie sehr Wahrheit/Treue und Gerechtigkeit eine Einheit bilden.

Justizia und Gesetz Mose
Irdische Gerichtsbarkeit und
menschliches Verständnis von Gerechtigkeit
© S. Hermann & F. Richter / pixabay.com
Das Wort „Gerechtigkeit“ ist damit eng mit dem Wort „Wahrheit“ verbunden. Mit unserem westlichen Denken sehen wir Gerechtigkeit als einen Rechtsbegriff, der das Richtige vom Falschen unterscheidet. Im hebräischen Denken ist das es ebenfalls kein abstrakter Begriff, der ausdrückt, dass jemand „richtig“ gehandelt hat. Es ist vielmehr ein Beziehungsgeschehen. Anstelle zu fragen, ob man sich den Anordnungen und Geboten entsprechend verhalten hat, denkt man besser darüber nach, ob man in einer lebendigen Beziehung zum Schöpfer steht. Unser Schöpfer hält treu Seine Beziehung zu uns, genauso wie er die Bundesbeziehung mit dem antiken Volk Israel einging und sich barmherzig zeigte, insbesondere dort, wo sich dieses Volk widerspenstig gebärdete.

Gerechtigkeit (zedek) hat dieselbe Wortwurzel wie zadak und zaddik, was so viel bedeutet wie: recht, das richtige Tun, rechtfertigen. Es bedeutet zudem: ein gerechtes Urteil sprechen. Barmherzigkeit und Gerechtigkeit sind im hebräisch-biblischen Denken keine Gegensätze. Wir sagen meist: „Gott ist barmherzig und treu, Er ist aber auch gerecht.“ Ein Hebräer würde sagen: „Gott ist barmherzig und treu, weil Er gerecht handelt.“ Oder umgekehrt: „Er handelt gerecht, weil Er barmherzig und treu ist.“ Treue und Barmherzigkeit offenbaren Seine Gerechtigkeit. Seine Urteile sind gerecht und wahrhaftig, darauf kann sich der Mensch verlassen.

„... [JaHuWaH] ist gnädig und gerecht, ja, unser Gott ist barmherzig.“ (Psalm 116,5)

Zadak und zedek sind Ausdrücke, die Gerechtigkeit in Übereinstimmung mit der irdischen Gerichtsbarkeit aufzeigen. Sie haben zu tun mit Gesetzen sowie mit dem Prozess der Gerechtigkeit eines Königs in der Funktion des Richters (1. Könige 10,9; Psalm 119,121; Sprüche 8,15). Das Wort zedek muss aber nicht so verstanden werden, dass man sich einem Gesetzbuch konform verhält, sondern dass man gerecht und aufrichtig anderen Menschen gegenüber handelt. Gesetze JaHuWaHs dienen keinem Selbstzweck, sondern dienen den Menschen in einer Gemeinschaft.

Mit zedek und zadak wird vor allem die Quelle der Gerechtigkeit benannt: JaHuWaH selbst (Psalm 35,24.28; Psalm 146,7). Und EINER wird „König der Gerechtigkeit“ genannt: der Hohepriester Melchizedek. Von ihm wird berichtet, dass er keine irdischen Eltern hat und ohne Anfang und Ende ist (Hebräer 7,1-3). Dieser Melchisedek ist kein geringerer als der Sohn JaHuWaHs selbst. Er ist auch derjenige, der im Auftrag und im Namen des Vaters die Gerechtigkeit wieder herstellen wird.

„Schaffe mir Recht [schaphat] nach deiner Gerechtigkeit [zedek], ... [JaHuWaH], mein Gott.“ (Psalm 35,24 a)

„Wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er Einsicht hat und mich erkennt, dass ich ... [JaHuWaH] bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden! Denn daran habe ich Wohlgefallen, spricht ... [JaHuWaH].“ (Jeremia 9,23)

Nachfolgende Bibelstelle zeigt auf, wie fest Sicherheit, Gerechtigkeit und Gericht mit der Güte und Treue JaHuWaHs verwoben sind. Es offenbart Seine wahrhaftige und tiefe Liebe zu uns Menschen:

„Und es wird geschehen an jenem Tag, spricht ... [JaHuWaH], da wirst du Mich nennen: Mein Mann; und du wirst Mich nicht mehr nennen: Mein Baal [= HERR]. 19 Und Ich werde die Namen der Baalim aus ihrem Mund wegtun, und sie werden nicht mehr mit ihrem Namen erwähnt werden. 20 Und Ich werde an jenem Tag einen Bund für sie schließen mit den Tieren des Feldes und mit den Vögeln des Himmels und mit den kriechenden Tieren der Erde; und ich werde Bogen und Schwert und den Krieg aus dem Land zerbrechen und werde sie in Sicherheit wohnen lassen. 21 Und Ich will dich mir verloben in Ewigkeit, und Ich will dich mir verloben in Gerechtigkeit und in Gericht und in Güte und in Barmherzigkeit, 22 und Ich will dich mir verloben in Treue; und du wirst ... [JaHuWaH] erkennen.“ (Hosea 2,18-22)

„Meine Gerechtigkeit ist nahe, meine Rettung zieht aus, und meine Arme werden die Völker richten. Auf mich werden die Inseln hoffen, und auf meinen Arm werden sie warten.“ (Jesaja 51,5)

Bemerkenswert ist, dass dasselbe Wort mischpat gegensätzliche Bedeutungen haben kann. Mischpat steht sowohl für Gericht und Urteil als auch für Recht und Gerechtigkeit. Es wird dasselbe Wort verwendet, weil JaHuWaHs Gericht und Seine Urteile gerecht sind. Sie sind gerecht, weil Er barmherzig ist. JaHuWaH hat das Gericht Seinem Sohn übergeben (Johannes 5,22; Apostelgeschichte 10,42; 2. Korinther 5,10). Unser Erlöser ist für uns ans Holz gegangen, hat unendlich unter der Last unserer Sünden gelitten und steht uns als Anwalt zur Seite, wenn Er als Hohepriester für uns kämpft. Und gleichzeitig ist Er unser Richter. Nach irdischen Maßstäben ist das unmöglich. Er ist gerecht, weil Er barmherzig ist. Er ist nicht deshalb gerecht, weil er alle unsere guten Werke und ungerechten Taten genau gegenüberstellt und dann ein Strafmaß festsetzt. Nein, Er ist gerecht, weil Er barmherzig ist.

„Dann wird ein Thron in Gnade errichtet werden; und auf ihm wird sitzen in Wahrheit [andere Übersetzung: in Zuverlässigkeit, Gewissheit], im Zelt Davids, ein Richter, der nach dem Recht trachtet und die Gerechtigkeit fördert.“ (Jesaja 16,5)

Diese Gerechtigkeit, die sich auf Barmherzigkeit und Treue gründet, drückt das hebräische Wort für Sünde aus. Man könnte Sünde auch mit „Ziel verfehlen“ oder „den Pfad verlassen“ übersetzen. „Übertretung“ bedeutet nichts anderes als die „Wegnahme eines Besitzes“ oder der „Bruch einer Beziehung“. Es bedeutet primär nicht ein geschriebenes Gesetz brechen. Es wird damit vielmehr eine tiefere Bedeutung offenbar: das gebrochene Vertrauensverhältnis. Durch den Propheten Maleachi wird uns über Levi berichtet:

„Das Gesetz der Wahrheit war in seinem Mund, und nichts Verkehrtes wurde auf seinen Lippen gefunden; er wandelte mit Mir in Frieden und Aufrichtigkeit, und viele brachte er zur Umkehr von der Missetat“ (Maleachi 2,6).

Das Gesetz, wie wir es meist verstehen, ist äußerlich eine Liste von Regeln und Geboten. Das Gesetz kann nur verdammen. Man kann das Gesetz als ein externes bzw. physisches Symbol der geistlichen und inwendigen Dinge verstehen. Für das Volk Israel wurde es notwendig, um die geistliche Wahrheit in der Person JaHuWschuaH begreifen zu können.

Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch ... [JaHuWschuaH, dem Messias] geworden.“ (Johannes 1,17)

Wahrheit ist für den Gläubigen der Glaube an die Treue und die Verheißung JaHuWaHs, die er vertrauensvoll in Anspruch nimmt. Ausschließlich in der Begegnung mit dem Schöpfer erfährt der Mensch, dass Er treu und zuverlässig ist. Wahrheit ist keine Sache, sondern eine Person – die Person JaHuWschuaH. Durch Ihn wird das Heilsversprechen wahr.

Das biblische Konzept der „Wahrheit“ belegt damit nicht, dass es Gott gibt, sondern, dass JaHuWaH ein Gott ist, der wahrhaftig, treu und barmherzig erfüllt, was Er verspricht. Mit dem Begriff Wahrheit wird Sein Wesen offenbart, nicht Seine Existenz. Seine Existenz muss nicht bewiesen werden; denn jeder, der von Seinem Geist berührt wird, weiß, dass Er existiert und die Geschicke im Himmel und auf Erden barmherzig und gerecht lenkt.

 

Verwendete Literatur

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