Besagt Kolosser 2,16, dass der Gläubige die Feste, Neumondtage und Sabbate des Schöpfers nicht mehr zu halten braucht?

Erstellt: Montag, 23. Dezember 2013 Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 05. Juli 2018

 

Besagt Kolosser 2,16, dass der Gläubige die Feste, Neumondtage und Sabbate des Schöpfers nicht mehr zu halten braucht?

 

Zunächst ist zu beachten, dass die Paulusbriefe nicht immer einfach zu verstehen sind. Denn Paulus war ein Gelehrter der Torah, im Gegensatz z.B. zu Petrus, der nur ein einfacher Fischermann war. Petrus warnt uns deshalb vor einer falschen Auslegung der Paulusbriefe:

„Und seht in der Langmut ... [JaHuWaHs] die Rettung, wie auch unser geliebter Bruder Paulus nach der ihm gegebenen Weisheit euch geschrieben hat, wie auch in allen Briefen, wenn er in ihnen von diesen Dingen redet. In diesen Briefen ist einiges schwer zu verstehen, was die Unwissenden und Ungefestigten verdrehen wie auch die übrigen Schriften zu ihrem eigenen Verderben.“ (2. Petrus 3,15-16)

Paulus schreibt Briefe an die GemeindenMan kann Petrus Besorgnis nachvollziehen. Manche Dinge, über die Paulus schreibt, sind tatsächlich schwer zu verstehen. Paulus kannte und verstand die hebräischen Schriften (Alte Testament) in- und auswendig. Viele von uns jedoch sind wie Petrus, der Fischermann, und die Bibel zu studieren ist für uns kein Vollzeitjob. Es gibt viele Dinge in der Bibel, in denen wir unwissend und auf wackligen Füssen stehen. Deshalb müssen wir vorsichtig sein, wie wir Paulus Briefe auslegen, damit wir sie nicht aus ihrem beabsichtigten Kontext herausreißen. Aber wie können wir sicher sein, dass wir Paulus' Darlegungen nicht missverstehen?

Um sicher zu gehen, dass wir die Paulusbriefe richtig verstehen, müssen wir es den Beröern (Apostelgeschichte 17,10-11) gleichtun, indem wir die Schrift täglich durchforschen, um zu sehen, ob die Lehren Paulus auch richtig verstanden werden. Welche Schriften waren es, die die Beröer erforschten? Das Neue Testament war es nicht, denn es existierte zu der Zeit noch nicht. Sie durchforschten die hebräischen Schriften, das Alte Testament. Die Beröer waren edel, weil sie überprüften, ob Paulus Lehren in Harmonie mit dem Alten Testament waren. Wenn Seine Lehren nicht mit dem Alten Testament übereingestimmt hätten, hätten sie diese Lehren nicht akzeptiert.

Wenn unsere Auslegung der Briefe Paulus (oder andere Schreiber des Neuen Testaments) nicht in Harmonie mit dem Alten Testament sind, dann können wir wissen, dass wir ihre Darlegungen nicht im richtigen Zusammenhang sehen. Bevor wir nun auf die einzelnen Schriftstellen Paulus‘ eingehen, lasst uns erst herausfinden, was uns die Schriften des Alten Testaments über das Gesetz sagen. Nun zu dem fragwürdigen Vers in Kolosser 2:

„So lasst euch von niemand richten wegen Speise oder Trank, oder wegen bestimmter Feiertage oder Neumondfeste oder Sabbate, die doch nur ein Schatten der Dinge sind, die kommen sollen, wovon aber der Christus das Wesen hat.“ (Kolosser 2,16)

Viele Christen interpretieren diesen Vers dahingehend, dass die Feste, Neumonde und Sabbate die falschen Lehren sind, gegen die Paulus kämpfte. Sie nehmen an, dass die heidnischen Kolosser diese Feste nicht hielten, sondern nur die Häretiker. Bitte beachte die folgenden Verse 20-22, in denen Paulus von menschlichen Satzungen spricht:

„Wenn ihr mit Christus den Elementen der Welt gestorben seid, was unterwerft ihr euch Satzungen, als lebtet ihr noch in der Welt: Berühre nicht, koste nicht, betaste nicht!  - was doch alles zur Vernichtung durch den Gebrauch bestimmt ist - nach den Geboten und Lehren der Menschen?“ (Verse 20-22)

Hier – im Gegensatz zu Vers 16 – können nicht die Feste, Neumonde und Sabbate des Alten Testaments gemeint sein, denn das waren nie „Lehren der Menschen“. Paulus war ein Jude der Juden, ein Pharisäer der Pharisäer, er hätte sich niemals auf die Thora als „Lehren der Menschen“ bezogen. Das ist undenkbar. Die Feste, Neumonde und Sabbate sind in der Thora eindeutig als Gesetze des Allmächtigen definiert. Nicht einmal ein ungelehrter Jude würde sich bei den Gesetzen der Thora auf Lehren der Menschen beziehen.

Was meinte er aber nun? Paulus sprach zu den Heiden, die sich bekehren ließen. Er warnte aber vor den falschen Lehrern, die Ihnen sagen wollten WIE sie diese Feste halten sollten. „Berühre nicht, koste nicht, betaste nicht!“ Diese falschen Lehrer wollten ihnen weismachen: „wenn ihr wirklich gerettet sein wollt, dann müsst ihr auf eine bestimmte Weise essen und trinken; und beobachtet die Feste, Neumondtage und Sabbate auf ganz bestimmte Art und Weise.“ Es sind die Satzungen der Juden gewesen und sind es noch (Talmud), die solche Menschenlehren aufstellen und die Menschen unterjochen.

Im Jüdischen Talmud befinden sich z.B. unzählige Regelungen, die den Sabbat betreffen. So ist es z.B. nicht erlaubt, am Sabbat weiter als genau 1 Kilometer zu gehen; es ist nicht erlaubt, eine Kerze oder ein Feuer anzünden, auch darf kein Lichtschalter oder Aufzugsknopf betätigt werden; es dürfen keine Gegenstände getragen werden; das Schreiben von zwei Buchstaben ist verboten; die Frauen dürfen in der Synagoge nicht bei den Männern sitzen… und vieles, vieles mehr. Jahuschuah warnte die Pharisäer deshalb:

„Wehe auch euch Gesetzesgelehrten! Denn ihr ladet den Menschen unerträgliche Bürden auf." (Lukas 11,46)

Paulus verdammt die "Feste, Neumonde und Sabbate" nicht. Er geht vielmehr auf diese, von den Pharisäern den Menschen selbst auferlegten Bürden und Regeln ein. Was bedeutet aber nun, das diese Feste, Neumonde und Sabbate "ein Schatten der künftigen Dinge" sind?

 

Die Schatten der künftigen Dinge


„So lasst euch von niemand richten wegen Speise oder Trank, oder wegen bestimmter Feiertage oder Neumondfeste oder Sabbate, die doch nur ein Schatten der Dinge sind, die kommen sollen,“ Die Feste, Neumonde und Sabbate sind ein Schatten, der Dinge, die in der Zukunft noch kommen sollen. Bitte beachte, dass es heißt „der Dinge sind“, es heißt nicht „der Dinge, die waren“. Um das nun besser zu verstehen, lasst uns nochmals auf Hebräer 10,1-4 zurückkommen, wo Paulus denselben Wortlaut benutzt:

"Denn weil das Gesetz nur einen Schatten der zukünftigen Heilsgüter hat, nicht die Gestalt der Dinge selbst, so kann es auch mit den gleichen alljährlichen Opfern, die man immer wieder darbringt, die Hinzutretenden niemals zur Vollendung bringen. Hätte man sonst nicht aufgehört, Opfer darzubringen, wenn die, welche den Gottesdienst verrichten, einmal gereinigt, kein Bewußtsein von Sünden mehr gehabt hätten? Statt dessen geschieht durch diese Opfer alle Jahre eine Erinnerung an die Sünden. Denn unmöglich kann das Blut von Stieren und Böcken Sünden hinwegnehmen!"

Das Gesetz selbst ist kein Schatten. Das Gesetz enthält oder wirft einen Schatten, einen "Todesschatten". Warum? Weil das Gesetz uns unsere Sünden aufzeigt. Es zeigt, was Sünde ist. Wenn es kein Gesetz gibt, gibt es keine Sünde. Wo es kein Gesetz gibt, gibt es auch keine Gesetzesübertretung.  Wie in einem Spiegel wird die Sünde dadurch sichtbar.

Tieropfer im Alten BundWas bedeutet aber Sünde? Was hat die Sünde zur Folge? Den Tod! (Römer 6,23) Jeder Mensch der sündigt, muss sterben. Da es keinen sündenfreien Menschen gibt, muss jeder Mensch sterben (Römer 5,12). Jahuschuah hat aber nun an unserer Statt diesen Tod auf sich genommen, damit wir - trotz unserer begangenen Gesetzes-Übertretungen - das ewige Leben haben können. Nur Er konnte dies vollbringen, weil Er der Sohn des Allmächtigen JaHuWaHs ist und niemals eine Sünde beging; Er hat nie das Gesetz der himmlischen Regierung übertreten, nicht im Himmel und auch nicht auf Erden. Die alttestamentlichen Tieropfer konnten das nicht bewerkstelligen, sie waren nur eine fortwährende Erinnerung der Sünden und der Gesetzesübertretungen. Jeder Mensch musste ein bestimmtes Tier opfern, wenn er eine Sünde begangen hatte. Je mehr Sünden begangen wurden, um so mehr Tiere mussten sterben. Es sollte den Menschen vor Augen führen, welches Leid die Sünde mitsich gebracht hat und welches Leid sie jedesmal erzeugen, wenn sie sündigen, das heißt, wenn sie das Gesetz übertreten. Auch heute sollten wir uns immer wieder der Erlösertat Jahuschuahs am Kreuz erinnern, damit wir mehr und mehr von der Sünde und der Gesetzesübertretung ablassen und uns in Seiner Gerechtigkeit heiligen lassen. Deshalb gedenken wir auch alljährlich zu Passah in Form des Abendmals an diese unendlich große Liebestat.  

 

Der Körper des Messias (Christi)


"die doch nur ein Schatten der Dinge sind, die kommen sollen, wovon aber der … [Messias] das Wesen hat." (Kolosser 2,17; Schlachter)

„die ein Schatten der künftigen Dinge sind, der Körper selbst aber (ist) Christi.“ (Kolosser 2,17; Elberfelder)

"welche sind ein Schatten der künftigen (Dinge), der Leib aber Christi." (Kolosser 2,17; Bengel)

Schlachter übersetzt den zweiten Halbsatz aus dem Griechischen ziemlich frei. Die Elberfelder-Bibel übersetzt in diesem Fall sehr genau. Das Wort „ist“ steht jedoch in Klammern, da es im Ursprungstext nicht enthalten ist. „die ein Schatten der künftigen Dinge sind; der Körper Christi aber selbst.“ Die meisten verbinden diese zwei Teile zu einem einzigen Satz. Dieser Satz machte einfach keinen Sinn, deshalb dachten die Übersetzer ein „ist“ hineinzusetzen oder ihn zu interpretieren, wie z.B. Schlachter, damit es mehr Sinn ergibt. Es macht aber schon Sinn, wenn man das ganze Kapitel im Zusammenhang liest. Lasst uns sehen, was Paulus ein Kapitel vorher über den "Leib Christi" schreibt:

„Und Er ist das Haupt des Leibes, der Gemeinde.“ (Kolosser 1,18)

„des Christus für Seinen Leib, das ist die Gemeinde.“ (Kolosser 1,24)

Der Körper der Gemeinde ist der Messias! Der letzte Teil des Verses 17 in Kolosser 2 bezieht sich auf Vers 16:

„So richte euch nun niemand…[in dieser Angelegenheit], aber der Körper Christi [welcher die Gemeinde ist]“

In anderen Worten, Paulus sagt den Kolossern, dass niemand sie in diesen Angelegenheiten, wie Essen, Trinken, Feste, Neumonde und Sabbate, richten soll, sondern nur die Gemeinde des Messias kann dies tun, d.h. Er selbst durch Seinen Heiligen Geist. Das heißt, es steht niemandem sonst zu, ihnen vorzuschreiben WIE sie diese Feste halten sollen.

Paulus bezieht sich in Kolosser 2 überhaupt nicht auf das Gesetz, sondern auf JaHuWaHs Gnade und die Vollendung in Jahuschuah, dem Messias. Seine heilige Torah wurde nicht ans Kreuz genagelt. Was ans Kreuz genagelt wurde, sind unsere Sünden.

Unsere Sünden und Übertretungen wurden uns vergeben; deshalb, lasst euch von niemanden richten, sondern seid vielmehr der Gemeinde JAUSCHUAHs untertan, welche die wahre Gemeinde ist, nach dem Standard des Wortes JaHuWaHs und der Führen Seines Heiligen Geistes durch Jahuschuah unserem Erlöser. 

 

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