Von der Schwachheit zur Kraft – Eine ermutigende Begebenheit

Erstellt: Sonntag, 24. Januar 2016 Zuletzt aktualisiert: Freitag, 18. März 2016

 

Blumen - Hebräer 4,15 Die Lehren des Messias waren nicht einseitig auf bestimmte Gebiete beschränkt, sondern umfassten die gesamte Breite menschlichen Lebens. Sie bieten bis heute Hinweise für jede Lebenslage und Lösungsansätze für alle Krisen, in die der Mensch geraten kann. Jahuschuah ist der beste Lehrer, den es je gab.

Keine Lebensgeschichte aus dem Jüngerkreis veranschaulicht die Lehrmethoden Jahuschuahs so gut, wie die des Petrus. Petrus war ein mutiger, selbstsicherer, manchmal auch streitsüchtiger junger Mann. Seine schnelle Auffassungsgabe und sein spontanes Handeln brachten ihn immer wieder in schwierige Lagen. Er machte viel falsch und wurde deshalb von Jahuschuah mehrfach gerügt, war aber auch warmherzig genug, anderen ihre Fehler nachzusehen.

An Jahuschuah hing er mit ganzer Hingabe. Der allerdings musste viel Geduld mit ihm haben, denn es war nicht leicht, sein übersteigertes Selbstbewusstsein auf ein erträgliches Maß zurückzuschneiden und ihn Liebe, Demut, Gehorsam und Vertrauen zu lehren. Obwohl der Messias alles versuchte, war der Erfolg nur gering. Es schien so, als könne die Selbstüberschätzung des Jüngers durch nichts erschüttert werden.

Jahuschuah wusste, was auf ihn und die Jünger in der Zukunft an Prüfungen und Leiden zukommen würde. Er versuchte auch immer wieder, mit Seinen Jüngern darüber zu sprechen. Sie hörten Ihm zwar zu, aber es gelang Ihm nicht, ihnen dafür wirklich die Augen zu öffnen. Sie hatten andere Vorstellungen von der Zukunft als ihr Herr. Und weil das, was Er voraussagte, nicht ihren Erwartungen entsprach, verdrängten sie es kurzerhand. Wie so oft, brachte Petrus auch hier sein Unbehagen spontan zum Ausdruck, sprach damit aber zugleich aus, was alle anderen auch dachten: „Um Himmels willen! So etwas darf dir nicht zustoßen!“

So blieb es bis zuletzt. Anstatt sich innerlich auf die kommende Krise vorzubereiten, drängten sich die Jünger in den Vordergrund, stritten miteinander und schielten nach den Ämtern, die Jahuschuah ihnen nach dem Tag X zweifellos antragen würde. An Leiden und Sterben wollten sie nicht denken, und für das Kreuz hatten sie keine Augen. Die Erfahrungen, die Petrus später machen musste, waren für alle eine Lehre.

Kurz bevor Petrus fiel, sagte der Messias zu ihm: „Simon, Simon! Der Satan ist hinter dir her, die Spreu vom Weizen zu trennen.“ (Lukas 22,31; Hfa). Welch ein treuer Freund war der Heiland dem Petrus! Wie mitfühlend war Seine Warnung! Doch Petrus nahm sie Jahuschuah übel und in seiner Überheblichkeit erklärte er selbstsicher, dass er Ihn auf keinen Fall verleugnen würde (Siehe Matthäus 26,33). „Herr, ich bin bereit, mit Dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen“, versicherte Petrus (Lukas 22,33). Diese Selbstsicherheit wirkte sich verhängnisvoll aus. Damit lud er Satan ein, ihn zu prüfen, und durch die Künste des listigen Feindes fiel er herein. Als der Messias ihn am meisten brauchte, stand er auf der Seite des Widersachers und leugnete offen, seinen Herrn zu kennen (Siehe Matthäus 26,69-74).

Für jemanden, der so auf sich und seine Kraft vertraut, enden Prüfungen häufig in verheerenden Niederlagen. Und selbst der Messias konnte die Folgen nicht verhindern, die Petrus am Ende durch seine Überheblichkeit und Selbstüberschätzung heraufbeschwor. Aber er wandte sich nicht von seinem Jünger ab. Schon einmal hatte der Erlöser die Hand ausgestreckt, um ihn vor dem Versinken zu bewahren. Damals war Petrus kurzerhand aus dem Boot gesprungen und lief Jahuschuah auf dem Wasser entgegen, doch dabei zeigte sich, dass sein Vertrauen letztlich doch nicht ausreichte. Als er im Wasser zu versinken drohte, griff der Heiland zu und hielt ihn fest.

In ähnlicher Weise ließ Er Petrus auch weiterhin Seine Liebe spüren, obwohl der ihn mehrfach verleugnet hatte. Wieder griff Er zu, um ihn vor dem Versinken in Schuldgefühlen und Selbstvorwürfen zu bewahren. Sein großsprecherisches Reden und unbedachtes Handeln hatte Petrus schon in manche schwierige Situation gebracht, aber so nahe wie diesmal war er dem endgültigen Absturz noch nie gewesen. Dabei war er nicht ungewarnt in diese Prüfung hineingeraten. Als Jahuschuah davon sprach, dass ihn bald alle verlassen würden, war sich Petrus sicher: „Ich bin jederzeit bereit, mit dir ins Gefängnis zu gehen und sogar für dich zu sterben.“

Zweifellos waren diese Worte nicht geheuchelt, sondern kamen aus einem liebenden und besorgten Herzen, aber wie so häufig, hatte Petrus den Mund zu voll genommen und im Überschwang der Gefühle etwas versprochen, was er am Ende nicht halten konnte. Und der Messias, der das Herz des Petrus kannte, hatte schon vorgebaut und seinem Jünger eine Zusage gemacht, die der zunächst nicht verstand, die aber später wie ein Lichtstrahl in das Dunkel des Versagens und der Schuld hineinfiel: „Simon, Simon! Der Satan ist hinter euch her, die Spreu vom Weizen zu trennen. Aber Ich habe für dich gebetet, damit du den Glauben nicht verlierst. Wenn du dann zu Mir zurückkehrst, so stärke den Glauben deiner Brüder!“

In der Gerichtshalle, umgeben von Menschen, die ihm nach dem Leben trachteten, dachte Jahuschuah an Seinen leidenden, irrenden Jünger, drehte sich zu ihm um und blickte ihn an (siehe Lukas 22,61). In diesem Blick las Petrus die Liebe und das Mitgefühl des Heilands, und eine Flut von Erinnerungen überschwemmte ihn ... Ihm wurde klar, dass er genau das getan hatte, was er vorher weit von sich gewiesen hatte (Vers 61). Noch einmal schaute er zu seinem Meister hin und sah eine frevlerische Hand, die sich hob, um Jahuschuah ins Gesicht zu schlagen. Er konnte diese Szene nicht länger ertragen und rannte mit gebrochenem Herzen vom Gerichtsgebäude weg (Vers 62). 

Diese Zusage und der traurige, mitfühlende Blick, den Jahuschuah ihm zuwarf, bewahrte Petrus vor dem Sturz ins Verderben. Als er in die Nacht hinauslief und vor Scham und Schuld bitterlich weinte, wurde ihm plötzlich klar, was sein Herr gemeint hatte, als Er ihm zusagte: „Aber ich habe für dich gebetet ...“ Das war es, was ihn vor der Verzweiflung bewahrte, in die er unweigerlich geraten wäre, hätte ihm der Blick Jahuschuah statt Liebe und Vergebung Verurteilung signalisiert.

Heute stehen viele in einer ähnlichen Lage wie Petrus, als er selbstsicher erklärte, er würde seinen Herrn niemals verleugnen. Wegen ihrer Überheblichkeit werden sie eine leichte Beute der Vorhaben Satans. Jene, die sich ihrer Schwäche bewusst sind, vertrauen einer Macht, die höher ist als sie selbst. Und so lange sie zu Gott aufschauen, hat Satan keine Macht über sie. Es gibt einige Lehren, die wir erst dann beherzigen, wenn wir versagt haben. Petrus war nach seinem Fall ein besserer Mensch. So wie Feuer das Gold reinigt, so reinigt der Messias Sein Volk durch Versuchungen und Anfechtungen (siehe 1.Petrus 1,6.7).

Gewiss, der Messias wollte und konnte ihm diese bittere Lektion nicht ersparen, aber Er ließ Petrus trotz allem nicht im Stich. Das war damals so und ist heute nicht anders. Wir Menschen gehen miteinander meist nicht so verständnisvoll um. Im Gegenteil, häufig zeigt sich, dass ausgerechnet diejenigen, die selbst in Sünde geraten und der Vergebung bedürftig sind, sehr unbarmherzig mit anderen umgehen. Weil niemand von uns einem anderen ins Herz schauen kann — wir also weder seine Beweggründe kennen, noch seine inneren Kämpfe —, sollten wir unseren Mitmenschen begegnen, wie Jahuschuah es mit Seinen Jüngern tat. Er scheute sich nicht, die Seinen deutlich auf ihre Schwächen und Sünden hinzuweisen, aber immer geschah das in Liebe. Wenn er Wunden schlug, dann nicht, um zu verletzen, sondern um zu heilen. Und wenn er von Schuld und Versagen sprach, dann ließ er zugleich auch immer einen Strahl Hoffnung aufleuchten.

Bei der letzten Zusammenkunft vor seiner Himmelfahrt ließ der Messias alle wissen, dass Petrus trotz seines Versagens weiterhin zum engsten Jüngerkreis gehören sollte. Er wandte sich dreimal mit derselben Frage an den Versager: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“ Und jedesmal antwortete Petrus: „Ja, Herr, du weißt doch, dass ich dich liebe.“ Mit diesem dreifachen Bekenntnis seiner Liebe war zwar die dreifache Verleugnung nicht ungeschehen gemacht, aber Petrus wusste: Ich bin wieder angenommen! Und nicht nur das, Sein Erlöser hatte ihm nicht nur vergeben, sondern erteilte ihm zugleich einen neuen Auftrag: „Hüte meine Schafe!“

Nun fiel es ihm wie Schuppen von den Augen, und er verstand plötzlich Aussagen und Handlungen Jahuschuahs, deren Sinn ihm bisher verborgen geblieben war. Zum Beispiel, warum der Messias eines Tages ein Kind in ihren Kreis gestellt und von ihnen verlangt hatte, auch so zu werden wie dieses Kind. Nachdem er am eigenen Leib erfahren hatte, wie unzuverlässig und schwach er war und wie treu und stark Jahuschuah ist, vertraute und gehorchte er seinem Herrn wie nie zuvor. Und als er nach einem schweren und aufopferungsvollen Leben für den Messias und Seine Gemeinde selbst den Märtyrertod sterben musste, meinte er, dass diese Ehre für einen, der seinen Herrn verleugnet hatte, viel zu groß sei.

Das, was der Messias durch Seine Liebe im Leben dieses Mannes erreicht hat, soll allen, die dem großen Lehrer nachfolgen, Mut machen.

 

Auszüge aus E.G. White, Education, Kapitel 9 „An Illustration of His Methods“, 1903, deutsche Übersetzung: Erziehung, 1998, S. 90-93; Manuskript 115, 1902, deutsche Übersetzung in: Christus ist Sieger, 2003, S. 2070

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