Römer 14: Alles erlaubt?

Erstellt: Sonntag, 09. April 2017 Zuletzt aktualisiert: Montag, 03. Juli 2017

 

Römer 14Römer 14 ist für viele Protestanten ein Argument gegen den Siebenten-Tag-Sabbat. Man ist der Ansicht, Paulus würde hier aufzeigen, dass die Zehn Gebote generell keine Gültigkeit mehr haben. Es sei egal, an welchem Tag man Gottesdienst hält. Auch wird mit diesem Kapitel des Briefes an die Römer argumentiert, dass man ohne Bedenken Fleisch essen kann, welches der Schöpfer als „unrein“  (z.B. Schweinefleisch) deklariert hat und damit als ungeeignet für die tägliche Nahrung.

Die Frage ist: Spricht Paulus in diesem Brief an die Gemeinde Roms überhaupt über diese Dinge? Bei genauerem Studium wird deutlich, dass Paulus, als er diesen Brief an die Römer schrieb, ein völlig anderes Anliegen hatte.

 

INHALT

 

Zweifelhafte Fragen

 

Um das richtige Verständnis dieses Kapitels zu bekommen, ist bereits der erste Vers von entscheidender Bedeutung, um die nachfolgenden Verse nicht falsch zu verstehen. Leider aber hat gerade die Schlachter 2000 hier eine Übersetzung, die man so oder so verstehen kann.1 Dort lautet der erste Vers:

„Nehmt den Schwachen im Glauben an, ohne über Gewissensfragen zu streiten.“ (Römer 14,1; Schlachter 2000) 

Hier muss man sich fragen: Was sind „Gewissensfragen“? Andere Bibelübersetzungen, wie auch die Schlachter 1951, geben diesen Vers folgendermaßen wieder:

„Den Schwachen im Glauben nehmet euch an, doch nicht um über Meinungen zu streiten.“ (Schlachter 1951)

„Den Schwachen im Glauben aber nehmt auf, doch nicht zur Entscheidung zweifelhafter Fragen!“ (Römer 14,1; Elberfelder 1905, auch die englische King James Bibel drückt es so aus).

„Nehmt auch den ohne Vorbehalte an, dessen Glaube noch schwach ist. Verwirrt ihn nicht noch dadurch, dass ihr über unterschiedliche Ansichten streitet.“ (Römer 14,1; Hoffnung für Alle)

Paulus bezieht sich hier auf Dinge, die „zweifelhaft“ sind. Dinge, über die die Gläubigen in Rom unterschiedlicher Auffassung waren. Die Gemeinde in Rom bestand aus Juden und aus Heiden, die sich zur Nachfolge des Messias bekannten. Der Apostel versuchte mit seinem Brief auf die Verhältnisse in den Hausgemeinden in Rom einzugehen und den schwelenden Konflikt zwischen den jüdisch-christlichen und den heidnisch-christlichen Familien zu schlichten.

Diese zweifelhaften Dinge bzw. Ansichten handelten sicher nicht von den Dingen, welche in den Schriften des Alten Bundes durch JAHUWAH angeordnet wurden. Leider versucht man oft mit der sog. „Steinbruch-Methode“ einzelne Verse aus dem Kontext herauszugreifen, um eine Behauptung oder eigene Ansicht zu untermauern. Mit den „herausgebrochenen Steinen“ wird dann das eigene Wunschgebäude errichtet.2 Die wenigsten von uns sind wohl davon ganz frei. Wir sollten uns bewusst sein, dass ein „herausgeschlagener“ Vers völlig falsch angewendet werden kann, wenn der Gesamtkontext des Kapitels nicht beachtet wird. Auch ist zu berücksichtigen, ob es sich um symbolhafte prophetische Sprache handelt, ob es sich um eine bedingte Prophetie handelt, welche Zeit und Situation das Kapitel beschreibt, wer der Schreiber ist und an wen ein Schreiben zur damaligen Zeit gerichtet war.

Paulus beispielsweise schrieb dreizehn Briefe in einer Zeitspanne von etwa zwanzig Jahren. Neun Briefe gingen an Gemeinden unterschiedlicher Zusammensetzung, zu verschiedenen Zeiten, welche unterschiedliche Probleme hatten. Vier Briefe wurden an einzelne Personen geschrieben. Wer waren die Korinther? Wer waren die Römer? Mit welchen Problemen hatten sie in der Gemeinde zu kämpfen? Wo findet man den historischen Bezug zu diesen Briefen in der Apostelgeschichte? All diese Hintergründe sollte man in das Studium miteinbeziehen, um die Aussagen richtig zu verstehen.

Zu diesen zweifelhaften Ansichten gehören sicherlich nicht die Zehn Gebote und auch nicht Anweisungen JAHUWAHs, wie die Anweisungen über reine und unreine Tiere; denn diese sind nicht zweifelhaft und waren es sicher auch nicht für den Juden und Jahuschuah-Nachfolger Paulus.

Paulus sprach über Dinge außerhalb des Gesetzes JAHUWAHs. Er sprach über Dinge, die mehr im Zusammenhang mit Traditionen, Gewohnheiten und menschlichen Lehren standen. Über diese Themen wurde viel debattiert. Selbst der Messias lehrte, dass diese “Menschengebote” mit dem Gesetz JAHUWAHs in Konflikt geraten (Markus 7,7-13). Paulus nennt diese Dinge “zweifelhafte Streitgespräche“, weil es von Menschen aufgestellte Regeln und Bedingungen sind. In Ungers Großem Bibelhandbuch ist unter Römer 14 zu lesen:

„Dieses Problem bezieht sich auf zweifelhafte Gewohnheiten des Christen. […] Der starke Gläubige hat die Pflicht, einen schwächeren Gläubigen aufzunehmen, jedoch nicht, ‚um über Meinungen zu streiten‘, 1) z.B. über das Fasten oder Nichtessen gewisser Speisen, 2) In Fragen des guten Benehmens, in denen Christen verschiedener Auffassung sind (2-6), soll der Grundsatz persönlicher Freiheit gelten (3-13).“3

Diese unterschiedlichen Auffassungen über zweifelhafte Fragen drohten zum Anlass für Stolz und Hochmut zu werden und die Gemeinde zu spalten. Hier setzt Römer 14 an die römische Gemeinde ein.

 

Der kulturell-religiöse Hintergrund in der römischen Gemeinde

 

In Rom lebten vor dem Claudius-Edikt (49 u.Z.) viele Diaspora-Juden, welche in Synagogengemeinden zusammengeschlossen waren. Dort befanden sich auch JAHUWAH-fürchtige Heiden. Einige Juden wie Heiden fanden in diesen Synagogen zum Messias-Glauben. Doch zur Zeit des Römerbriefs waren Christen in den Synagogen schon nicht mehr geduldet. Möglicherweise gab es Probleme mit den Juden in Rom generell, welche die Behauptung, JAHUSCHUAH sei Gottes Sohn, als Gotteslästerung ansahen.

Kaiser ClaudiusMan geht davon aus, dass diesbezügliche Auseinandersetzungen zum sogenannten Claudius- Edikt führten, wodurch die Juden unter Kaiser Claudius (10 v.u.Z. bis 54 u.Z.) aus Rom vertrieben wurden (vgl. Apostelgeschichte 18,2). Es wird jedoch angenommen, dass nicht alle Juden aus Rom ausgewiesen wurden, sondern nur diejenigen, durch die es zu Unruhen kam.4

Von dem römischen Schriftsteller Sueton (lebte von ca. 70 bis nach 122 u.Z.) wissen wir, dass dies geschah, „weil sie [die Juden] von Chrestus aufgehetzt, fortwährend Unruhe stifteten“.5 ‚Chrestus‘ war um die Jahrtausendwende ein geläufiger Sklavenname in Rom. Teilweise geht man jedoch davon aus, dass Sueton mit diesem Namen den Messias meinte, dessen Jünger von den Heiden erstmals in Antiochia „Christen“ genannt wurden (vgl. Apostelgeschichte 11,26). Andere gehen davon aus, dass der bei Sueton genannte „Chrestus“ ein „jüdischer Aufwiegler in Rom“ war, „der wirklich so hieß“.6

Durch die Vertreibung der Juden kam es zu einer „Strukturverschiebung: Aus einer messianischen Gruppe von Jesus-Anhängern innerhalb des Synagogenverbandes Roms wurde nach und nach eine heidenchristliche Gemeinde außerhalb jenes Verbandes.“7 Einige Jahre später kehrten die Juden wieder zurück nach Rom, wie sich aus der Geschichte der Aquila und Priscilla zeigt (Römer 16,3). In der Zwischenzeit jedoch haben viele Heiden die Reihen der vertriebenen Juden gefüllt. Als die Juden zurückkehrten, wird es weitere Unruhen in den Gemeinden unter bekehrte Heiden und Juden gegeben haben. Die jüdischen Rückkehrer hatten womöglich den Konflikt noch verstärkt. Die Gemeinde muss zu der Zeit bereits eine beachtliche Größe erreicht haben und war auf mehrere Hausgemeinden verteilt, wie es Römer 16,1-16 vermuten lässt.

Einige Theologen nehmen an, dass die Judenchristen in diesen Gemeinden überwogen, während andere davon ausgehen, dass die Heidenchristen die Mehrzahl bildeten.8 Letztere Ansicht muss den Vorzug gegeben werden, weil es biblisch bestätigt wird. So nennt Paulus in Römer 11,13 sich selbst als „Heidenapostel“.9 Im ersten Römerkapitel wendet er sich ausdrücklich an die Heiden (Verse 5 und 13). Dass es in der Gemeinde Roms mehr Heiden als Juden gab, kann auch aus Römer 15,10-16 geschlossen werden, wo er die Heiden direkt anspricht.

Das Anliegen Paulus in Römer 14 scheint zum überwiegenden Teil kein Konflikt zwischen Judenchristen und Heidenchristen gewesen zu sein. Es wäre falsch anzunehmen, es handle sich bei diesem Konflikt um Gesetz und Verordnungen des Alten Bundes. Wobei Paulus im Römerbrief einige Male einen anderen Adressaten anspricht. Zu einem geringeren Teil wendet er sich an Judenchristen, zum größeren Teil an die Heidenchristen und zeitweise spricht er die ganze Gemeinde an.

Wir können also davon ausgehen, dass zum Zeitpunkt, zu dem Paulus den Brief an die Römer verfasste, sich die Gemeinde in Rom sowohl aus Juden als auch aus Heiden zusammensetzte, wobei die Heiden in der Überzahl waren. Vor diesem Hintergrund müssen die Aussagen Paulus in Römer 14 studiert werden.

 

Der Siebente-Tag-Sabbat: eine zweifelhafte Sache?


„Dieser hält einen Tag höher als den anderen, jener hält alle Tage gleich; jeder sei seiner Meinung gewiss! Wer auf den Tag achtet, der achtet darauf für den Herrn, und wer nicht auf den Tag achtet, der achtet nicht darauf für den Herrn.“ (Römer 14,5-6a)

Hier ist die Rede von bestimmten Tagen, die der eine höher hält und der andere nicht. Das Wort Sabbat kommt kein einziges Mal im gesamten Kapitel vor. Hier ist nicht der Sabbat des Vierten Gebotes angesprochen. Sabbate werden in der Bibel nie einfach als „Tage“ bezeichnet. 

Es kann sich schon deshalb nicht um einen bestimmten Versammlungstag (Sabbat, Sonntag oder anderer Tag) handeln, weil es gerade dann ganz natürlich Spaltungen ergeben würde. Denn jeder würde an einem anderen Tag den „Tag des HERRN“ feiern. Es würde mindestens zwei Gruppen geben, denn man könnte sich nicht mehr am selben Tag zum Lobpreis treffen. Aber genau das wollte Paulus doch verhindern. Eine gemeinsame Versammlung an einem bestimmten Tag wäre unmöglich, wenn man jedem Mitglied einer Gemeinde seinen eigenen Tag festsetzen lassen würde (Hebräer 10,25). Das wäre aber der Fall, wenn der Tag egal wäre.

Zudem, hätte Paulus den konvertieren Heiden das Halten des Sabbats als eine persönliche Angelegenheit nahegebracht, wie manche Christen behaupten, dann hätten ihn die Juden doch sofort angegriffen, wie sie es auch hinsichtlich der Beschneidung taten (Apostelgeschichte 21,21).

Die Zehn Gebote auf SteinAber vor allem spricht Paulus doch im selben Brief an die Römer an verschiedenen anderen Stellen von der Wichtigkeit des Gesetzes. Durch den Glauben ist das Gesetz keinesfalls aufgehoben, wie Paulus im 3. Kapitel des Römerbriefes schreibt. Der Glaube bestätige vielmehr das Gesetz (Römer 3,31). Weiter verheißt er, dass die „Täter des Gesetzes“ gerechtfertigt werden (Römer 2,13). Er betont die „Heiligkeit des Gesetzes“ (Römer 7,12). Er versucht den Römern zu erklären, dass das „Trachten des Fleisches“ sich nicht dem „Gesetz Gottes“ unterwirft, weil es das gar nicht kann, sondern nur dem Geistlichen ist das möglich (Römer 8,5-9). Paulus weist auch auf die vom Gesetz geforderte Gerechtigkeit hin (Römer 8,4). Erst durch das Gesetz kann die Sünde erkannt werden (Römer 7,7; 3,20). Michael Theobald nennt es „das Gesetz im Dienst der Gnade!“10 Sehr treffend drückt er diese Beziehung zwischen Gesetz und Gnade aus:

„Trifft es [das Gesetz] auf den Menschen als den mit Gott Entzweiten, der in allem sich selbst sucht, dann wird es in den Strudel der Sünde gezogen und kann seine Intention, dem Leben zu dienen, nicht verwirklichen: Durch Werke des Gesetzes wird kein Sünder gerecht. Trifft es dagegen auf den Menschen als den mit Gott dadurch Versöhnten, dass er in Christus nicht mehr sich selbst gehört, dann kann es in der Liebe auch selbstvergessen erfüllt werden (Römer 8,4.9f; 13,8-10). Der Mensch unter der Gnade ist in Wahrheit der ‚von Herzen‘ (6,17) Gottes Willen Gehorsame (vgl. 6,1-8,11 als Antwort auf 3,8).“11

Paulus gibt dem Gesetz JAHUWAHs einen hohen Stellenwert. Er würde kaum einige Kapitel im Römerbrief weiter aufzeigen, dass JAHUWAHs Gesetz „zweifelhaft“ ist (Römer 14,1, Elberfelder 1905). Wenn dem so wäre, würde sich Paulus mit sich selbst an anderen Stellen widersprechen. Aber er würde auch den Aussagen seines Lehrers JAHUSCHUAH zuwiederlaufen. JAHUSCHUAH, der Sohn des Gesetzgebers hatte die Gebote des Vaters (welche das vierte Gebote einschließt) allezeit „im Herzen“ und hielt sie ein:

„Siehe, ich komme; im Buch ist von mir geschrieben: Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und Dein Gesetz habe ich in meinem Herzen … Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in Meiner Liebe, wie ich Meines Vaters Gebote halte und bleibe in Seiner Liebe.“ (Psalm 40,8-9; Johannes 15,10)

Mit dem „Buch“ sind die Schriften des Alten Bundes gemeint. Darin wird vorhergesagt, dass Er kommen würde, um das Gesetz aufzurichten und es „groß und herrlich“ zu machen:

„Siehe, Mein Knecht [der zukünftige Messias], den Ich halte, Mein Auserwählter, an dem Meine Seele Wohlgefallen hat: Ich habe Meinen Geist auf Ihn gelegt, Er wird das Recht zu den Nationen hinausbringen. Er wird nicht schreien und die Stimme nicht erheben und Seine Stimme nicht hören lassen auf der Straße. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue bringt Er das Recht hinaus. Er wird nicht verzagen noch zusammenbrechen, bis Er das Recht auf Erden aufgerichtet hat. Und die Inseln warten auf seine Weisung. ... [JAHUWAH] hat es gefallen um Seiner Gerechtigkeit willen. Er macht das Gesetz groß und herrlich.“ (Jesaja 42,1-4.21)

Das bestätigt der Messias im Neuen Testament:

„Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen sei, um das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen, um aufzulösen, sondern um zu erfüllen! Denn wahrlich ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergangen sind, wird nicht EIN Buchstabe noch ein einziges Strichlein vom Gesetz vergehen, bis das alles geschehen ist.“ (Matthäus, 5,17)

Zudem sagte Er vorher, dass Seine Nachfolger noch in ferner Zukunft den Sabbat halten werden (erste Erfüllung bei der Zerstörung Jerusalems 70 u.Z.), indem er den Jüngern empfahl, sie sollten beten, dass ihre „Flucht nicht geschehe im Winter oder am Sabbat.“ (Matthäus 24,20) Bei der Zerstörung Jerusalems 70 u.Z. erfüllte sich diese Prophezeiung zum ersten Mal. Der Siebente-Tag-Sabbat, verankert in den Zehn Geboten, hielten alle bekehrten Heiden und Juden in den ersten zwei Jahrhunderten, die den Messias angenommen haben:

„… fern war es von den Aposteln, ein göttliches Gebot, […] die Sabbatgesetze, auf den Sonntag zu übertragen. Vielleicht aber schon am Ende des zweiten Jahrhunderts hatte sich eine falsche Übertragung dieser Art gebildet, denn schon scheint man das Arbeiten am Sonntage als Sünde betrachtet zu haben.“12

Auf Wikipedia ist unter Sonntag zu lesen:

„Die frühen Judenchristen gedachten des Schabbats und hielten ihn als Ruhe- und Friedenstag ein. […] Die Feier dieses Ruhe- und Gebetstags wurde von den Heidenchristen im Gedenken an die Auferstehung Jesu Christi auf den Dies solis verlegt. […] Auch Jesus ruhte nicht am ersten Tag bei seiner Auferstehung."13

Der evangelische Theologieprofessor Theodor Zahn schrieb:

„Indem Jesus das richtige Verhältnis zwischen der gesetzlichen Heiligkeit des Sabbats und dem Leben des Menschen herstellte, hob er das Sabbatgebot nicht auf, sondern lehrte sein Volk, dasselbe recht zu erfüllen. Damit war der ersten Gemeinde Jesu der Weg gewiesen. Die älteste Kirche, die zwölf Apostel ... beobachteten den Sabbat aufs gewissenhafteste ... Indem sie (die Kirche) den Sabbat heilig hielt, folgte sie nicht nur dem Beispiel, sondern auch der Anweisung Jesu.“14

Aus den aus acht Bänden bestehenden Sammlung der Apostolischen Konstitutionen aus dem vierten Jahrhundert können wir erfahren, dass die Christen im ersten und zweiten Jahrhundert angewiesen wurden, beide Tage als Feiertag zu halten, den Sabbat und den „Tag des Herrn“ oder „Tag der Sonne“, wie er etwas später genannt wurde:

„Den Sabbat und den Tag des Herrn haltet als Festtage, denn der eine ist der Tag der Erinnerung an die Schöpfung, der andere an die Auferstehung.“15

Es ist nicht der Mensch, der den Sabbattag über alle Tage heiligte. Es ist JAHUWAH, der allmächtige Schöpfer, der den Sabbattag heiligte und segnete, als Er die Welt erschuf. Im vierten Gebot wird darauf Bezug genommen:

„Gedenke an den Sabbattag und heilige ihn! […] Denn in sechs Tagen hat … [JAHUWAH] Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darin ist, und er ruhte am siebten Tag; darum hat … [JAHUWAH] den Sabbattag gesegnet und geheiligt." (2. Mose 20,8.11)

Weil JAHUWAH die Erde und was darinnen ist in sechs Tagen erschaffen hat, DESHALB hat Er den Siebenten-Tag-Sabbat geheiligt und ihn als Ruhetag für alle Menschen ausgesondert:

„Lasst uns die Hauptsumme aller Lehre hören: Fürchte Gott und halte Seine Gebote; denn das gilt für alle Menschen.“ (Prediger 12,13, Luther; andere Übersetzung: „denn das macht den ganzen Menschen aus“)

Der Messias bestätigt die Worte Seines Vaters im Neuen Testament:

„Der Sabbat ist um des Menschen willen geschaffen worden“. (Markus 2,27)

Fasten mit WasserWas ist aber dann mit den besonderen „Tagen“ in Römer 14 gemeint? Während die Begriffe Gesetz, Gebote oder Sabbat kein einziges Mal in Römer 14 vorkommen, so sind es die Worte “essen”, „trinken“ und „Speise“, welche sich durch das gesamte Kapitel 14 durchziehen. Im Zusammenhang mit Nahrungsaufnahme stehen auch die in Vers 14 erwähnten „Tage“.

Man kann hier davon ausgehen, dass es sich um bestimmte Tage handelte, an denen gefastet wurde. Solche Tage gab es bei den Heiden genauso wie bei den Juden. Bereits bei den Juden des Alten Bundes gab es den Brauch des Fastens an bestimmten Tagen:  

„Meint ihr, dass mir ein solches Fasten gefällt, wenn der Mensch sich selbst einen Tag lang quält und seinen Kopf hängen lässt wie ein Schilfhalm und sich in Sacktuch und Asche bettet? Willst du das ein Fasten nennen und einem dem … [JAHUWAH] wohlgefälligen Tag?“ (Jesaja 58,5) 

Auch hier geht es nicht um den Siebenten-Tag Sabbat. Dieser „Fastentag“ ist für JAHUWAH deshalb nicht wohlgefällig weil die Israeliten zwar fasteten, aber sich stritten, sich schlugen und gottlos handelten. Ein reiner sinnloser Brauch an „euren Fastentagen“ (Jesaja 58,3).

infoJAHUWAH lässt den Israeliten eindringlich und deutlich ausrichten, dass nicht das ein wohlgefälliges Fasten ist, bei dem „der Mensch sich selbst einen Tag lang quält und seinen Kopf hängen lässt“ (Jesaja 58,4). Sondern vielmehr ist das ein wohlgefälliges Fasten, dass du „ungerechte Fesseln losmachst“ und die „Unterdrückten“ freilässt; dass du „dem Hungrigen dein Brot brichst und arme Verfolgte in dein Haus führst, wenn du das „höhnische Fingerzeigen und das unheilvolle Reden“ sein lässt (Verse 6-7.9). Erst wenn das der Fall ist, wird der Allmächtigen JAHUWAH dir antworten: „Hier bin Ich!“ (Vers 9) Erst dann wird dich Sein Geist „ohne Unterlass leiten“. Erst dann wird Erkenntnis kommen und zunehmen und erst dann wirst du „die Trümmer der Vorzeit wieder aufbauen“ und die „Grundmauern früherer Geschlechter wieder aufrichten“. (Verse 9-12)

Das Fasten an bestimmten Tagen wurde zur Tradition und so waren die Pharisäer, Schriftgelehrten und Teile des jüdischen Volkes darin sehr gewissenhaft. Man wunderte sich jedoch, dass die Jünger des Messias nicht fasteten:

„Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.“ (Lukas 18,12) 

„Da kamen die Jünger des Johannes zu ihm und sprachen: Warum fasten wir und die Pharisäer so viel, deine Jünger aber fasten nicht?“ (Matthäus 9,14) 

Es gab welche, die an bestimmten Tagen fasteten. Und es gab andere, die nicht fasteten und jeden Tag gleich schätzten. Zur Zeit des Messias fasteten die Pharisäer zweimal in der Woche, was das Gebet eines Pharisäers in dem Gleichnis: „Ich faste zweimal in der Woche“ zeigt. Konvertierte Heiden, die die Tradition des wöchentlichen Fastens weiterführten, taten es am vierten und am sechsten Tag, um sich von den Pharisäern und ihren überlieferten Menschengeboten zu unterscheiden, die im Gegensatz zum Gesetz Mose stand. In der Didache, eine frühchristliche Schrift aus dem ersten Jahrhundert, heißt es im 8. Kapitel:

„Aber lasst nicht euer Fasten mit den Heuchlern (Pharisäern) sein, den sie fasten am zweiten und fünften Tag der Woche. Fastet lieber am vierten Tag und am Rüsttag.“16

Paulus großes Anliegen war es, keine Spaltungen in den römischen Gemeinden aufkommen zu lassen. Und so versucht er in Römer 14 den Streit hinsichtlich besonderer Tage und Fasten für den Einzelnen beizulegen. Derjenige, der einen Tag höher hält und fastet, ist nicht besser, wie derjenige, der keinen Fastentag einlegt. Der Messias lehrte, dass fasten etwas ist, dass nicht nach außen getragen werden sollte (Matthäus 6,16). Es ist eine persönliche Angelegenheit zwischen dem Einzelnen und Gott. Wenn eine Person beschließt, an einem bestimmten Tag zu fasten, dann ist das in Ordnung. Wenn sich eine andere Person entschieden hat, nicht zu fasten, ist das auch gut. 

Aber sicherlich können hier auch andere Tage, die „höher geachtet“ wurden als andere, gemeint sein. Bei den Juden beispielsweise sind solche Tage das Purimfest17, Hanukkah18 oder Rosch ha-Schana19, welche ebenso keine Anordnungen JAHUWAHs sind. Paulus meinte damit „Fasten an bestimmten Tagen“ oder generell bestimmte Tage höher zu halten. So oder so ist es nicht relevant, „wohl aber Gottes Gebote halten“. (Vgl. 1. Korinther 7,19)

Es gibt überhaupt keinen Grund anzunehmen, dass Paulus in Römer 14 die Jahuschuah-Gläubigen Juden als „schwach im Glauben“ bezeichnete, weil sie jüdische Speisevorschriften und den Sabbat hielten. Grundsätzlich wollte Paulus hier sicherlich nicht die Anweisungen JAHUWAHs untergraben, indem er sie als ungültig in JAHUSCHUAH abtun wollte.

Es geht um die Gestaltung des täglichen Lebens des Einzelnen. JAHUWAHs Wort gibt den Rahmen für ein Ihm wohlgefälliges Leben mit den Zehn Geboten vor. Aber der gläubige JAHUSCHUAH-Nachfolger hat die Freiheit in Seinem Sohn, in diesem Rahmen seine Lebensführung zu gestalten. Das kann durchaus bei den Gläubigen unterschiedlich aussehen.

 

 

Götzenopferfleisch, „unreines Fleisch“ und Vegetarismus

 

„Ich weiß und bin überzeugt in ... [JAHUSCHUAH], dass nichts an und für sich unrein ist; sondern es ist nur für den unrein, der etwas für unrein hält.“ (Römer 14,14)

Dieser Vers enthält mit dem darin enthaltenen Wort „unrein“ die entscheidende Aussage, die viele zu dem Denken veranlasst, Paulus würde mit dem Kapitel 14 ausdrücken, dass die Anordnungen des Alten Bundes hinfällig sind. Was ist aber tatsächlich hier mit „unrein“ gemeint? Ist es das Fleisch, welches JAHUWAH für unrein erklärte, wie das Schweinefleisch oder bestimmte Meerestiere? Oder handelt es sich um Götzenopferfleisch und sonstige Speise, welche man im heidnischen Rom den Götzen opferte, bevor man es aß?

infoGötzenopferfleisch (so genannt in 1. Korinther 8,1; Offb. 2,14; Apg. 15,29) ist „Fleisch im heidnischen Opferkult geschlachteter Tiere, das, nachdem die Götter ihren Teil erhalten haben, teils bei feierlichem Mahl im Tempel verzehrt wurde, teils auch auf dem Markt kam.“20

Der deutsche Begriff „unrein“ in Römer 14,14 ist der griechische Begriff koinos (Strong’s Nummer G2839). Dieses Wort kommt in der ersten griechischen Übersetzung des Alten Testaments, der Septuaginta,21 nur fünfmal vor: Sprüche 1,14; 15,23; 21,9; 21,9; 25,24; Ester 5,1.22 Dort hat es entweder die Bedeutung von „gemeinsam“ oder „zusammen“. In allen fünf Fällen jedoch hat es nie die Bedeutung von „unrein“ im Sinne von unreinem Fleisch, welches JAHUWAH verboten hatte.

infoDass JAHUWAH den Israeliten bestimmte Fleischsorten zum Essen verbot, hatte überhaupt nichts Kultisches. Es hatte einfach nur gesundheitliche Gründe. Während hingegen das Fleisch, welches für die Priester zum Opfern und auch zum Essen bestimmt war, im Gegensatz zur Nahrung des „gemeinen Volkes“, kultischen Charakter hatte und heute keine Bedeutung mehr hat. Heute haben wir wissenschaftliche Beweise, dass bestimmte Fleischsorten ungesünder sind als andere.

Das griechische Wort koinos scheint erst viel später die zusätzliche Bedeutung23 von „unheilig“ oder „profan“ erhalten zu haben. Es wird das erste Mal im ersten Jahrhundert in dem apokryphischen 1. Makkabäerbuch gebraucht. Man verwendet es dort für das hebräische Wort chol, was soviel wie „nicht heilig“, „gemein“ oder „profan“ bedeutet. Es wurde z.B. als Speise der normalen Bevölkerung im Unterschied zu den Priestern gebraucht (3. Mose 10,10; Hesekiel 22,26; 44,23). Die Rabbiner benutzten diesen Begriff, um Dinge zu bezeichnen, die ihrer Meinung nach zusätzlich „unrein“ waren. Dieser Begriff stellte das Profane dem Heiligen gegenüber; das heißt, das Weltliche im Unterschied zum Religiös-Kultischen.24

infoDas „Koine“-Griechisch war das damals gebräuchliche „allgemein“ gesprochene Griechisch, in das auch die Übersetzung des hebräischen Alten Testaments erfolgte. Auch hier kommt dieser Begriff als „allgemein“ bzw. „gemeingültig“ vor.

Koinos bekommt also erst um die Jahrtausendwende diese Bedeutung. In Apostelgeschichte 10,14 beispielsweise benutzt Petrus zwei unterschiedliche Ausdrücke: koinos für „gemein“ und akathartos für „unrein“. Er versichert, dass er nie etwas „Gemeines“ (das, was die Rabbiner für „unrein“ bezeichneten) und niemals etwas „Unreines“ (das, was JAHUWAH als „unrein“ bezeichnete) gegessen hat.

Während die meisten Bibelübersetzungen in Römer 14,14 das Wort koine mit „unrein“ übersetzten, gibt es die Lutherübersetzung in der richtigen Weise mit „gemein“ wieder: „Ich weiß und bin gewiss in ... [JAHUSCHUAH], dass nichts gemein ist an sich selbst; nur dem, der es rechnet für gemein, dem ist's gemein.“ (Römer 14,14; Luther 1912)

Alter Brunnenhahn mit SeifeAuch die rituellen Waschungen der Rabbiner gehören zum „Gemeinen“ im Unterschied zu all den Dingen, die JAHUWAH als „unrein“ erklärt hat.25 Ein Beispiel dafür wird uns in Markus 7,2-4 gegeben. Die Jünger des Messias werden von den Pharisäern angegriffen, weil sie das Essen anfingen, ohne sich vorher die Hände zu waschen. Dieses rituelle Händewaschen ist kein Gebot JAHUWAHs, aber es war eine jüdische Satzung. Koinos in Römer 14,14 spricht deshalb nicht von Fleisch, welches JAHUWAH für „unrein“ erklärt hat. Es spricht vielmehr entweder von jüdischer Tradition des rituellen Händewaschens generell vor dem Essen, oder speziell das Händewaschen nachdem man Speisen auf dem Markt kaufte, wo Heiden die Ware anboten. Ein Jude zu jener Zeit glaubte, dass Fleisch, das einem Götzen geopfert wurde, automatisch unrein oder “gemein” würde. In der Encyclopedia Judaica heißt es unter „Purity“ (Reinheit):

„Das Händewaschen ist eine rabbinische Rechtsordnung, um die Kondition des tumat yadayim, die Unreinheit der Hände zu korrigieren. Der Begriff selbst ist rabbinischen Ursprungs. Unter den biblischen Gesetzen der Reinheit wird das Händewaschen nur einmal erwähnt (3. Mose 15,11). Gemäß einer der Traditionen „Unreinheit der Hände“ wurde von König Salomon eingeführt, während für eine andere die Jünger des Hillel und Shammai verantwortlich waren (Shab. 14a-b). […] Um diese Praxis einzuführen, warnten die Rabbiner vor den Konsequenzen für diejenigen, die es missachten; das ging selbst soweit, dass ein vorzeitiger Tod vorhergesagt wurde (Shab. 62b; Sot. 4b).“26

JAHUSCHUAH zeigte deutlich Seine Missgunst gegen diesen, von Menschen eingeführten Brauch des rituellen Händewaschens (Markus 7,1-9; Matthäus 15,1-20; Lukas 11,37). Aber diese rituellen Waschungen gab es ebenso in allen heidnischen Kulturen und damit auch in Rom:

„Rituelle Waschungen sind Brauch in den meisten antiken Religionen. Schintoisten, Buddhisten und Hinduisten betrachten die rituelle Waschung als Teil ihrer rituellen Praxis und es gibt genügend Beweise für dessen Rolle im antiken Ägypten und Griechenland […] Durch die Tatsache, dass die rituelle Waschung in antiken Religionen und Kulturen so weit verbreitet war, scheint es wahrscheinlich, dass die jüdische Praxis von zeitgenössischen Kulten beeinflusst war.“ 27

Wir sehen, dass es nicht nur unter den Juden, sondern auch bei den Heiden rituelle Handlungen gab, auf die sich Römer 14 bezieht. Man wusch sich die Hände, weil man Angst hatte, irgendetwas anzufassen, was den Götzen geweiht wurde. Die Verse 14 und 20 haben mit diesen menschengemachten Satzungen und heidnischen Bräuchen zu tun, aber nichts mit den Anordnungen JAHUWAHs.

In Römer 14,14 wird allerdings nicht ausdrücklich der Begriff „Götzenfleisch“ genannt. Wir haben aber eine Parallele in 1. Korinther 8, wo Paulus ähnliche Anweisungen gibt. Man kann davon ausgehen, dass der Korintherbrief ca. ein Jahr vor dem Römerbrief geschrieben wurde. Man kann weiter darauf schließen, dass Paulus bei den Korinthern (1. Korinther 8) und bei den Römern (Römer 14) mit demselben Problem konfrontiert war.28

Beim Lesen von 1. Korinther 10,24-27 zeigt sich, dass Paulus nicht davon ausging, dass man auf dem Markt extra nachforschen musste, ob es sich um Fleisch handelte, das zuvor den Götzen geopfert wurde oder nicht. Denn alle Tiere gehören JAHUWAH. Wenn wir mit reinem Herzen ein Tier essen, das Er nicht verboten hat, dann ist das keine Sünde, auch wenn die Gläubigen inmitten von Heiden und deren heidnischen Bräuche lebten. Dabei ist Paulus' Aussage in 1. Korinther 10,27 dieselbe, wie die Aussage JAHUSCHUAHs in Lukas 10,8. Ganz sicher hat der Messias hier ebenfalls nicht das, von Seinem Himmlischen Vater angeordnete „unreine“ Fleisch gemeint.

infoWenn Paulus in Römer 14,20 schreibt, dass „alles“ rein ist, dann darf man das nicht so verstehen, dass eine solche Aussage nicht auch Ausnahmen beinhaltet. So gibt Paulus beispielsweise in Kolosser 3,22 die Anweisung, dass die Knechte den „leiblichen Herren“ in „allen Dingen" gehorchen müssten. Wenn der Sklavenherr anweist, jemand anderen zu töten oder zu stehlen, so ist das nicht innerhalb des Bereichs von „allen Dingen“. Man muss Aussagen in der Bibel immer im Zusammenhang sehen und vor allem den Verstand und die Logik nicht auf der Strecke lassen. Wenn Paulus im Brief an Titus schreibt: „Den Reinen ist alles rein“ (Titus 1,15), dann heißt dass doch auch nicht, dass der Reine etwas Unreines wie z.B. Pornos ansehen oder Fremdgehen kann, weil ihm das auf Grund seiner „Reinheit“ nichts anhaben kann.

Wenn wir die Worte “alles ist rein” in Römer 14,20 lesen, dürfen wir nicht annehmen, Paulus spricht hier gegen etwas, was der Allmächtige bereits als unrein erklärt hat. Die Unterscheidung von reinen und unreinen Tieren zum Essen hat JAHUWAH nicht erst Mose nahegelegt. Das wusste bereits Noah (er sollte sieben aller unreinen Tiere mit auf die Arche nehmen) und auch Adam und Seine Söhne.

 

Mögliche Gründe für den kompletten Fleischverzicht

 
„Einer glaubt, alles essen zu dürfen; wer aber schwach ist, der isst Gemüse.“ (Römer 14,2)

In der Gemeinde in Rom scheint es demnach Gläubige gegeben zu haben, die überhaupt kein Fleisch aßen. Die Frage stellt sich, aus welchem Grund diese damaligen Gemeindeglieder die vegetarische Kost vorzogen. Zu jener Zeit war der Grund der vegetarischen Ernährung sicher nicht die Gesundheit oder das Tierleid. Der Grund damals ist im Bereich der Götzenkulte, aber auch in den philosophisch-gnostischen Strömungen zu suchen, von denen sich nicht nur Heiden sondern auch Juden beeinflussen ließen. Zu einem eher geringen Teil auch in den Schriften des Alten Bundes.


Götzen geweihtes Fleisch


Vesta Tempel in Form, Franz von Lenbach (1836-1904), Berlin Alte NationalgalerieUm herauszufinden, warum Gemeindeglieder im ersten Jahrhundert ganz auf Fleisch verzichteten, ist der Erste Korintherbrief sehr dienlich. Es geht in Kapitel 8 um Gläubige, die das Fleischessen komplett vermieden. Der Grund wird hier jedoch ausdrücklich angegeben: Das Fleisch wurde den Göttern geopfert, bevor sie auf dem Markt verkauft wurden.

In Rom gab es zu jener Zeit über 400 heidnische Tempel. Wenn man also auf dem Mark ging, um Nahrung zu kaufen, konnte es durchaus sein, dass man welche bekam, die zuvor einem Götzen geweiht wurde. Man konnte sich also nicht sicher sein, ob ein auf dem Markt gekauftes Fleisch vorher den Götzen geopfert wurden oder nicht.

Einige der konvertierten Heiden in Rom verzichteten daher vollständig auf jegliches Fleisch, um sicher zu gehen. Sie kamen damit in Konflikt mit den Juden, die Fleisch aßen, jedoch kein unreines Fleisch, wie in 3. Mose 11 beschrieben. Warum Paulus diese Gläubigen als „schwach“ im Glauben bezeichnet, wird im übernächsten Kapitel näher beleuchtet.

Einfluss gnostischer Lehrer zur Askese


Zur damaligen Zeit gab es einen großen Einfluss der hellenistisch-gnostischen Lehren, die ganz strenge Speisegesetze aufstellten und es den anderen als wichtiges Gebot nahelegten. Neben der Ablehnung der Ehe gehörten bestimmte Speisen, vor allem Fleisch, zu den „ersten Geboten“ gnostischer Askese.29 Im 3. Jahrhundert breitete sich die gnostische Strömung des Manichäismus aus.30 Allerdings gehen die Wurzeln bis nach Mesopotamien und auf altbabylonische Kulte zurück. Spuren davon sind bis in die späthellenistische Zeit nachweisbar, welche die hellenistische Kultur prägte.31 Der Kern der Gnosis wird als ein „iranisches Erlösermysterium“ (das Mysterium des erlösten Erlösers) betrachtet, das bereits in vorchristlicher Zeit in Persien entstanden ist und im Manichäismus seine reinste Ausprägung fand.32

infoBei den christlichen Gnostikern verbreitete sich auch die Ansicht, dass der Messias nur „scheinbar“ als Mensch bzw. im „Fleisch“ aufgetreten sei; weil es nicht sein könne, dass Er sich mit der Materie verbunden hat und tatsächlich Mensch geworden ist.33 Hier ist auch eine der Wurzeln der Trinitätslehre zu finden, die besagt, dass der Messias einer von drei Götterpersonen ist, der die Rolle der Erlösung übernahm. Ein grober Widerspruch zu Philipper 2,7; Hebräer 2,14; Johannes 1,14; 1. Timotheus 2,5-6; 3,16; 1. Johannes 4,2-3; 1. Korinther 8,6; Johannes 17,3 usw.

In der griechischen Philosophie und Religion ging man davon aus, dass die unsterbliche Menschenseele durch Wiedergeburten gereinigt werden würde. Dabei kann man aber nicht nur als Mensch, sondern auch als Tier wiedergeboren werden. Vor allem Pythagoras vertrat den Glauben an die Seelenwanderung. Isst man nun ein Tier, kann es sein, dass man eine wiedergeborene ehemalige Menschenseele isst. Aus diesem Grund gibt es im Hinduismus oder Buddhismus noch heute sehr viele Vegetarier.

In der Gnosis kommt aber noch ein anderer Aspekt zu tragen. Man glaubte, einen höheren Grad der Heiligkeit zu erreichen, indem man in allen Lebensbereichen die Askese übt.

„Ein Leben nach den gnostischen Prinzipien wird von jedem wahren Gnostiker gefordert; dies ist nicht gleichgültig für sein Heil. Nur so sind die Ermahnungen zu einem rechten Lebenswandel, der seine Mühen und Gefahren hat, und die Betonung des Kampfes der ‚Seele‘ auf dem beschwerlichen Weg zur Erlösung.“34

In den Nag-Hammadi-Texten,35 heißt es: „Nicht jeder Mensch kann auf diesem Wege gehen, es sei denn, er verzichtet auf all seinen Besitz und fastet täglich von Quartier zu Quartier, denn die Räuber und (wilden) Tiere, die auf jenem Weg vorhanden sind, sind zahlreich.“ Und im gnostischen Thomasevangelium heißt es: „Selig ist der Mensch, der sich abmühte (und so) das Leben fand.“36 Die Encyclopedia Judaica berichtet zudem über die rituellen Waschungen, die „heilig“ machten:

„Es ist eindeutig, dass der Hauptzweck der rituellen Waschung für die Rabbiner der war, ‚heilig‘ zu werden; und das von ihnen erschaffene System war dazu gedacht, die Juden diese Pflicht im Bewusstsein zu halten.“37

Auch wenn im früheren Judentum das Asketentum unbekannt war,38 so wurde die Askese im hellenistischen Zeitalter bei einigen jüdischen Gruppierungen zu einer alltäglichen Lebensweise.39 Im Judentum verbreiteten sich gnostische Lehren bereits seit ca. dem 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Zum gnostischen Judentum zählen die Dositheaner, die jüdischen Taufsekten des Jordantales, die Mandäer, die Essener von Qumran, Philo von Alexandrien und auch Simon Magus und seine Sekte.40 Aber auch die Sufis (Anhänger der islamischen Mystik), sowie die Kabbala und der Chassidismus werden zu den gnostischen Strömungen gezählt. Von Flavius Josephus wird uns berichtet, dass die Essener und die Qumrangemeinschaft auch auf regelmäßige rituelle Waschungen bestanden.41

Simon Magus, der in Apostelgeschichte 8 erwähnt wird, verbreitete ebenfalls gnostische Lehren. Nach Adolf Harnack trat er „als Träger der Gottheit auf und verkündigte eine Lehre, in der Jüdische mit babylonischen Mythen und einigen griechischen Zutaten seltsam und abenteuerlich vermischt war.“42

Man kann sich vorstellen, dass diese extremen Lehren der Asketen mit ihren strengen Speisevorschriften und Ritualen immer wieder zu Spannungen in den Gemeinden in Rom führten. In einem Bibelkommentar heißt es, dass diese Asketen Personen waren, bei denen jüdische Grundideen mit heidnischen Elementen gemischt vorherrschten.43

 

Fleischlose Kost im Alten Bund


Ein Korb vol Obst und GemüseEin genereller Vegetarismus gab es im Judentum nicht. Aber man kann durchaus eine Grundlage hinsichtlich einer fleischlosen Kost in den Schriften des Alten Bundes erkennen. Bereits der Schöpfungsbericht zeigt, dass unser Schöpfer ursprünglich für die Menschen eine rein pflanzliche Kost vorgesehen hatte: Erst nur Früchte (1. Mose 1,29; 1. Mose 2,16) und kurz nach dem Sündenfall kamen Gemüse und Samen/Getreide hinzu, aber immer noch reine Pflanzenkost (1. Mose 3,17-18). Zu jener Zeit war das Durchschnittsalter über 900 Jahre (die ersten zehn Generationen; 1. Mose 5,3-32; 9,29).

Wir sehen aber auch, dass JAHUWAH der gefallenen Schöpfung nach der Sintflut erlaubt hat, reine Tiere zu essen (1. Mose 9,3, um möglicherweise das Lebensalter herabzusetzen? Denn das Durchschnittsalter der nächsten zehn Generationen betrug durchschnittlich nur noch ca. 300 Jahre). Nach dem Auszug aus Ägypten wollte JAHUWAH jedoch, dass Sein Volk wieder zur pflanzlichen Kost zurückkehrt und gab ihm deshalb nur „Himmelsbrot“ (Psalm 78,24) zu essen. Er zeigte dem Volk die Bedingung auf, unter der es gesund bleiben würde (2. Mose 15,26). Ein Teil des Volkes war jedoch „lüstern“ und verlangte nach Fleisch (4. Mose 11,4). JAHUWAH erlaubte es ihnen schließlich, weil sie so sehr rebellierten, denn das Manna vom Himmel reichte ihnen nicht (4. Mose 11). Dadurch „verwarfen“ sie JAHUWAH (Vers 20). Die Folge des Fleischessens wurde aber bald sehr deutlich: Sie wurden mit einer Plage geschlagen, sie wurden krank (Verse 33-34).

JAHUWAH gab Seinem Volk auf ihr Verlangen hin Fleisch, damit sie aber nicht zu schnell krank wurden und zu früh starben, zeigte JAHUWAH ihnen in seiner unendlichen Barmherzigkeit auf, welches Fleisch sie auf keinen Fall essen durften (3. Mose 11+5. Mose 14). Aber es gab immer sehr glaubenstreue Menschen, die gänzlich auf tierische Produkte verzichteten, z.B. Daniel und seine Freunde, siehe Daniel 1. Das hat aber nichts mit der gnostischen Philosophie der Askese zu tun, die später aufkam, welche aus dem Heidentum kam.

Auf der Neuen Erde wird es jedoch wieder eine rein pflanzliche Kost geben, so wie es in Eden war (Hesekiel 47,12; Jesaja 65,21), denn den Tod und das Leid wird es nicht mehr geben, nicht für die Menschen und auch nicht für die Tiere (Offenbarung 22,2; 21,4; Jesaja, 11,6-9).

Wenn Paulus in Römer 14,2 diejenigen als „schwach“ bezeichnet, die kein Fleisch aßen, so hat es wohl eher den Grund der Askese (und letztendlich Eigenerlösung) sowie vor allem der noch vorhandene Glaube an die Götzen. Heute würde Paulus wohl auch eher vom Fleischessen abraten, weil viele ungute Aspekte im Zusammenhang mit dem Fleischgenuss im Industriezeitalter einhergehen. Die Massentierhaltung und die Tiertransporte quer durch ganz Europa ist eine extreme Qual für die Tiere. Auch gibt es in den Drittweltländern eine zunehmende Hungersnot, welche auf Wasserknappheit zurückzuführen ist. Tierzucht zum Fleischverzehr verbraucht aber viel mehr Wasser als der Anbau und Verzehr von Pflanzenkost. Wir dürfen nie vergessen: Alles, was wir essen, sollte „zur Ehre JAHUWAHs“ geschehen (1. Korinther 10,31).

Leider ist es heute auch vielfach so, dass der eine auf den anderen herabsieht, weil dieser etwas praktiziert, was der andere glaubt, überwunden zu haben. Meist sind es aber Dinge, die durch keine Gebote JAHUWAHs geregelt sind, sondern die sich der Mensch oft selbst oder anderen aufbürdet.

„Lasst uns nun nach dem streben, was zum Frieden und zur gegenseitigen Erbauung dient. Zerstöre nicht wegen einer Speise das Werk Gottes!“ (Römer 14,19-20)

Darüber sollte aber niemand den anderen richten, aber jeder soll sich seiner Sache gewiss sein. Wenn jemand Fleisch isst, kann er das tun. Und trotzdem sagt Paulus es sei besser kein Fleisch zu essen. Paulus hat immer wieder die "Lehren und Gebote der Menschen" angegriffen, aber niemals das Gesetz, Gebote und Verordnungen JAHUWAHs. Es gibt in der Bibel kein Gebot, kein Fleisch zu essen. Allerdings haben wir Hinweise, dass eine fleischlose Kost erstrebenswert ist.

Wenn sich jemand entschließt, aus bestimmten Gründen (wie Gesundheit oder Tierquälerei) vegan zu leben, so ist das sehr gut. Es gilt aber nicht gleichzeitig für alle anderen auch. Allerdings ist das Verbot von bestimmten Fleischsorten zum Verzehr sehr sinnvoll. Denn genau das Fleisch, das JAHUWAH als unrein erklärt hat, ist tatsächlich das ungesündeste Fleisch, wie die Wissenschaft bewiesen hat. Jeder gute Arzt wird seinen Patienten bei Arthritis, Krebs usw. raten, kein Schweinefleisch zu essen; und die Meerestiere, die verboten sind, sind tatsächlich diejenigen, die in Massen Schwermetalle und Gifte aus dem Meer aufnehmen, mit denen der Mensch dann wieder seinen Organismus vergiftet. Leider sind heute Fisch und auch andere Lebensmittel generell nicht mehr frei davon (z.B. von Blei und Cadmium), aber Schalentiere (besonders Muscheln) filtern naturgemäß mehr Schadstoffe aus dem Meerwasser als Fische und reichern Schwermetalle aus kleineren Lebewesen an, die ihnen als Nahrung dienen. Der Mensch nimmt dann mit diesen Tieren diese Abfallstoffe und Schwermetalle in hoher Konzentration mit auf. Während das Schwein im Mittelalter als „Straßenfeger“ bekannt war (weil es die Abfälle fraß, dass auf die Straßen geworfen wurden), kann man die Muschel und den Aal als Meeresreiniger bezeichnen.

Römer 14 handelt also nicht vom Siebenten-Tag Sabbat oder den 10 Geboten im Generellen und auch nicht von anderen Anordnungen des Alten Bundes, sondern es handelt sich um Dinge, wie Fasten an bestimmten Tagen der Woche und generell zusätzliche Festtage durch Menschen eingeführt sowie Ernährung generell. Aber vor allem ging es um Götzenopferfleisch, wie wir nachfolgend sehen werden.



Noch nicht überwundene Angst und Götzenaberglaube


„Du hast Glauben? Habe ihn für dich selbst vor Gott! Glückselig, wer sich selbst nicht verurteilt in dem, was er gutheißt!“ (Römer 14,22)

Paulus hat dabei sicher auch die Worte seines Erlösers im Sinn gehabt, der verhieß:

„Wenn euch nun der Sohn frei machen wird, so seid ihr wirklich frei.“ (Johannes 8,36)

Je schwächer der Glaube der neubekehrten Heiden in Rom war, desto mehr hatten sie noch ein schlechtes Gewissen, wenn sie Fleisch auf dem Markt kauften, bei dem sie nicht wussten, ob es nun zuvor den Götzen geweiht worden war oder nicht. Auch wenn Paulus in Römer 14 das Wort „Götzenopferfleisch“ nicht ausdrücklich erwähnt, so kann man davon ausgehen, dass er auch das in Kapitel 14 (besonders Vers 2) im Sinn hatte. Denn es gibt erstaunliche Parallelen zu seinem Ersten Brief an die Korinther, deren Gemeinde sich ebenfalls zu einem großen Teil aus Heidenchristen zusammensetzte:

Gaben und Opfer für Buddha„Was nun das Essen der Götzenopfer betrifft, so wissen wir, dass ein Götze in der Welt nichts ist, und dass es keinen anderen Gott gibt außer dem Einen. 5 Denn wenn es auch solche gibt, die Götter genannt werden, sei es im Himmel oder auf Erden — wie es ja wirklich viele »Götter« und viele »Herren« gibt —, 6 so gibt es für uns doch nur einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir für ihn; und einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind, und wir durch ihn. 7 Aber nicht alle haben die Erkenntnis, sondern etliche machen sich ein Gewissen wegen des Götzen und essen [das Fleisch] noch immer als Götzenopferfleisch, und so wird ihr Gewissen befleckt, weil es schwach ist. [Parallele: Römer 14,1-2]8 Nun bringt uns aber eine Speise nicht näher zu Gott; denn wir sind nicht besser, wenn wir essen, und sind nicht geringer, wenn wir nicht essen. [Parallele: Römer 14,3] 9 Habt aber acht, dass diese eure Freiheit den Schwachen nicht zum Anstoß wird! [Parallele: Römer 14,13] 10 Denn wenn jemand dich, der du die Erkenntnis hast, im Götzentempel zu Tisch sitzen sieht, wird nicht sein Gewissen, weil es schwach ist, dazu ermutigt werden, Götzenopferfleisch zu essen? [Parallel: Römer 14,13] 11 Und so wird wegen deiner Erkenntnis der schwache Bruder verderben, um dessen willen Christus gestorben ist. [Parallele: Römer 14,15.20 u. 23] 12 Wenn ihr aber auf solche Weise an den Brüdern sündigt und ihr schwaches Gewissen verletzt, so sündigt ihr gegen Christus. 13 Darum, wenn eine Speise meinem Bruder ein Anstoß zur Sünde wird, so will ich lieber in Ewigkeit kein Fleisch essen, damit ich meinem Bruder keinen Anstoß zur Sünde gebe. [Parallele: Römer 14,21]“ (1. Korinther 8,4-13)

Wir haben hier fast eine identische Aussage in beiden Briefen. Hier handelt es sich ausschließlich darum, ob es angemessen ist, Fleisch zu essen, welches vorher den Götzen geopfert wurde. Der Schwache im Glauben ist nach wie vor noch nicht ganz frei von der Angst hinsichtlich der Götzen, die doch nicht real sind. Die „Vegetarier“, welche Paulus in Römer 14,2 als „schwach“ bezeichnet, sind nicht deshalb „schwach“, weil sie aus ethischen oder gesundheitlichen Gründen kein Fleisch essen. Sie sind deshalb schwach im Glauben, weil sie sich nicht trauten Fleisch zu essen, aus Angst, es könnte den Götzen geweiht worden sein. Um ihr Gewissen nicht zu belasten, vermieden sie Fleisch vollständig.

Der Starke ist jemand, dem bewusst ist, dass ein “Götze nichts ist” (1. Korinther 8,4), während ein Schwacher noch immer der Versuchungen geplagt wird, den Göttern, denen er früher diente, einen zu großen Raum in seinem Leben einnehmen zu lassen. In Römer 14,22 heißt es:

„Du hast Glauben? Habe ihn für dich selbst vor Gott! Glückselig, wer sich selbst nicht verurteilt in dem, was er gutheißt!“ (Römer 14,22)

Warum ist es schwach, sich darüber Gedanken zu machen, ob eine Speise zuvor einem Götzen geopfert wurde oder nicht? In Psalm 24 heißt es „Die Erde gehört JAHUWAH ….“. Im Ersten Korintherbrief 10, wo es ebenfalls um Götzenopferfleisch geht, wiederholt Paulus diese Worte, um aufzuzeigen, dass es JAHUWAH ist, der die Erde erschaffen hat und dem die Erde gehört:

„… denn »dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt«. […] Wenn aber jemand zu euch sagt: Das ist Götzenopferfleisch! — so esst es nicht, um dessen willen, der den Hinweis gab, und um des Gewissens willen, denn »dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt«.“ (1. Korinther 10,26.28)

Wenn jemand irgendeinen Zweifel hat, ob die Erde JAHUWAH gehört und dass es all die heidnischen Götzen gar nicht gibt und Satan gar keine Macht über denjenigen hat, der in JAHUSCHUAH lebt, dann wird der Korinther und Römer aus diesem Grund kein Fleisch gegessen haben. Lässt sich diese Person durch die Götzen ein Gewissen machen, dann würde diese Person verdammt sein, wenn sie davon isst. Es scheitert am Glauben und der Erkenntnis, dass “Die Erde JAHUWAH gehört”.

Zu wissen, dass alle Götzen wertlos sind, weil JAHUWAH der Schöpfer ist, ist der Schlüssel zur Erkenntnis. Dieser Schöpfergedanke kommt auch wieder im Vierten Gebot (Sabbatgebot) vor: Weil JAHUWAH der Schöpfer des Himmels und der Erde ist, deshalb hat Er den Sabbat geheiligt (2. Mose 20,8.11).

In Korinther 8,8 sagt Paulus, dass uns „Speise nicht vor Gottes Gericht bringen“ wird. Dabei zeigt Paulus die Freiheit in JAHUSCHUAH auf. Ein Leben frei von Angst:

„Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch wiederum fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist der Sohnschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!“ (Römer 8,15)

Johannes hat es ähnlich ausgedrückt:

„Darin ist die Liebe bei uns vollkommen geworden, dass wir Freimütigkeit haben am Tag des Gerichts, denn gleichwie Er ist, so sind auch wir in dieser Welt. 18 Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus, denn die Furcht hat mit Strafe zu tun; wer sich nun fürchtet, ist nicht vollkommen geworden in der Liebe.“ (1. Johannes 14,18)

Der Schwache glaubt, durch bestimmtes Verhalten, Essen oder Trinken, sein Heil zu verlieren und darum wird er Vieles ängstlich meiden, was aber hinsichtlich des ewigen Heils irrelevant ist. Die JAHUWAH-Kindschaft ist frei von Angst (Römer 8,15). Paulus konnte ganz neutral und unbefangen von der „Furcht JAHUWAHs“ und vom bevorstehenden Gericht sprechen. Für ihn war es selbstverständlich, dass der Mensch eine Verantwortung vor Seinem Schöpfer hat, der nicht den Tod des Sünders möchte, sondern das Leben eines jeden Einzelnen (Hesekiel 33,11).

Angst hat nur derjenige, bei dem die Beziehung zum Schöpfer abbricht und er in die „Knechtschaft des Fleisches“ fällt. Es ist nicht das Gericht selbst, das dem Menschen Angst macht. Es ist vielmehr die Losgelöstheit von Seinem Schöpfer im Tod der Sünde. In den heidnischen Religionen herrscht hingegen das Element der Angst vor, weil ihre Götter ständig befriedigt werden wollen.

„Wer isst, der isst für den Herrn, denn er dankt Gott; und wer nicht isst, der enthält sich der Speise für den Herrn und dankt Gott auch.“ (Römer 14,6b)

Wenn wir JAHUWAH für unsere Speise danken, dann zeigen wir damit, dass Er es ist, der es geschaffen hat – und nicht nichtige Götzen, die gar nicht leben. „Ob ihr nun esst oder trinkt oder sonst etwas tut — tut alles zur Ehre Gottes!“ (1. Korinther 10,31). Wir müssen uns also keine Gewissensfragen machen, wenn wir nicht wissen woher die Speise kommt. Das heißt natürlich nicht, dass wir ins andere Extrem verfallen und in einen heidnischen Tempel gehen, um dort anzubeten oder Götzenopferfleisch zu essen. Und wir sollten es auch nicht essen, falls wir damit das Gewissen einer anderen Person belasten.

„Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist“ (Römer 14, 17).

 

Der „Starke“ und der „Schwache“ in der Glaubensgemeinschaft


Warum verwendet Paulus überhaupt die Begriffe „Starke“ und „Schwache“? Woher kommt dieser Sprachgebrauch in Rom und Korinth? Mit welcher Motivation gebrauchte er sie?

Paulus verwendet häufig Zitate aus den Schriften des Alten Bundes. So auch im 1. Korintherbrief und im Brief an die Römer. In Römer 14 nimmt er Rückgriff auf Hesekiel 34. In Vers 4 wird eine schwere Anklage an die falschen Hirten (Gemeindeleiter, Älteste) erhoben:

Das Schwache stärkt ihr nicht, das Kranke heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verscheuchte holt ihr nicht zurück, und das Verlorene sucht ihr nicht, sondern mit Gewalt und Härte herrscht ihr über sie! Und so haben sie sich zerstreut, weil sie ohne Hirten waren, und sind allen wilden Tieren des Feldes zum Fraß geworden und haben sich zerstreut.“ (Hesekiel 34,4-5)

Einige Verse weiter prophezeit Hesekiel, dass JAHUWAH selbst der Hirte der Schwachen sein wird, wo diese versagen:

„Ich selbst will meine Schafe weiden und sie lagern, spricht … [JAHUWAH]. Das Verlorene will ich suchen und das Verscheuchte zurückholen und das Verwundete verbinden; das Schwache will ich stärken; das Fette aber und das Starke will ich vertilgen; ich will sie weiden, wie es recht ist.“ (Hesekiel 34,15-16)

Auch hier spricht der Allmächtige von Schwachen und Starken. Wenn sich die Starken, nicht um die Schwachen kümmern, wird das seine Folgen zeitigen.

„Darum, so spricht … [der Allmächtige JAHUWAH], zu ihnen: Siehe, Ich selbst will Recht sprechen zwischen den fetten [Starken] und den mageren [Schwachen] Schafen: weil ihr [die Starken] alle schwachen Schafe mit Seite und Schulter weggedrängt und mit euren Hörnern gestoßen habt, bis ihr sie hinausgetrieben hattet, so will Ich meinen Schafen zu Hilfe kommen, dass sie künftig nicht mehr zur Beute werden sollen, und ich will Recht sprechen zwischen den einzelnen Schafen.“ (Hesekiel 34,20-22)

Und hier ist eine der Kernaussagen im 14. Kapitel im Brief an die Römer. Paulus stellt sich auf die Seite des „Starken“ (Römer 15,1); als Starker, wie er tatsächlich im Glauben sein soll, der die Schwachen im Glauben nicht fallen lässt. Paulus wusste, dass die Nahrung oder irgendwelche Zeremonien (z.B. rituelles Händewaschen oder Fasten) nicht relevant für den Glauben sind (Römer 14,14.17.20). Die Starken einer Gemeinschaft sollten den Schwächeren entgegenkommen, ihnen helfen und sie unterstützen. Sie sollten alles unterlassen, was die Schwachen im Glauben straucheln lassen könnte und sie dazu veranlasst, ganz in ihre frühere Lebensweise zurückzufallen. Es ist nicht die Speise die uns in Unehre bringt, sondern die mangelnde Liebe für einen schwächeren Bruder oder Schwester.

„In allem habe ich euch gezeigt, dass man so arbeiten und sich der Schwachen annehmen soll, eingedenk der Worte des Herrn Jesus, der selbst gesagt hat: Geben ist glückseliger als Nehmen!“ (Apostelgeschichte 20,35)

Hier benutzt Paulus denselben griechischen Begriff, wie in den Briefen an die Römer und Korinther. Die Starken leben nicht sich selbst, sondern haben die Verpflichtung, die Schwachheiten der andern in Liebe zu tragen (1. Korinther 10,33; 9,19-22; Römer 15,1-2; Galater 1,10). Diese Liebe zu den Schwachen zeigt sich im Himmlischen Vater und Seinem Sohn. Der Vater gab Seinen geliebten Sohn für die Menschen (Johannes 3,16; Römer 8,32; 1. Johannes 4,9-10) und der Sohn verließ die Herrlichkeit, die er beim Vater hatte, entäußerte sich selbst und wurde Mensch, um die tiefste Schmach zu erleiden (Philipper 2,7-8; 2. Korinther 8,9; Johannes 1,14).

In der Liebe JAHUSCHUAHs gehen die „Starken“ gar soweit, zugunsten ihrer Glaubensgeschwister und der Einheit der Gemeinde sich den, für das Heil nicht relevante Speise zu unterwerfen (Römer 14,21). Paulus erklärte, dass man sich wegen nichtiger Götzen kein Gewissen machen muss. Aber wenn das Gewissen eines Bruders durch das Fleisch auf dem Tisch beschwert wird, welches möglicherweise den Götzen geweiht gewesen sein könnte, so sollte der im Glauben stärkere Bruder den Schwächeren nicht vor den Kopf stoßen, indem er es isst (Römer 14, 7.9-12).

„Habt aber acht, dass diese eure Freiheit den Schwachen nicht zum Anstoß wird!  Denn wenn jemand Erkenntnis der schwache Bruder verderben, um dessen willen Christus gestorben ist. Wenn ihr aber auf solche Weise an den Brüdern sündigt und ihr schwaches Gewissen verletzt, so sündigt ihr gegen Christus. 13 Darum, wenn eine Speise meinem Bruder ein Anstoß [zur Sünde] wird, so will ich lieber in Ewigkeit kein Fleisch essen, damit ich meinem Bruder keinen Anstoß [zur Sünde] gebe.“ (1. Korinther 8,10-13)

Im Kapitel 10 des ersten Korintherbriefes macht Paulus erneut deutlich, dass „wenn jemand von den Ungläubigen euch einlädt und ihr hingehen wollt, so esst alles, was euch vorgesetzt wird, und forscht nicht nach um des Gewissens willen. Wenn aber jemand zu euch sagt: Das ist Götzenopferfleisch! — so esst es nicht, um dessen willen, der den Hinweis gab, und um des Gewissens willen“ (1. Korinther 10,27). Und er macht wiederum deutlich, dass es nicht um das eigene Gewissen geht, sondern um das Gewissen des anderen (1. Korinther 10,29)

Gedeckter TischPaulus zeigt auf, dass wir die Gastfreundschaft Andersgläubiger annehmen sollen und wir können auch essen, was uns aufgetischt wird. Wenn aber jemand darauf hinweist, dass es „Götzenfleisch“ ist, so sollten es um desjenigen nicht gegessen werden, der darauf hinweist. Es könnte den anderen in seinem Glauben erschüttern.

Die Tischgemeinschaft und die gemeinsame Nahrungsaufnahme war im Ersten Jahrhundert ein wichtiges und häufiges Ereignis. Für den Messias und die Apostel hatte sie einen hohen Stellenwert. Unser Erlöser aß zusammen mit den Zöllnern und ließ sich von Pharisäern einladen (Lukas 7,36; 11,37; 14,1). Das Evangelium hat Er meist im Zusammenhang mit der gemeinsamen Einnahme von Malzeiten verkündigt (Markus 6,21; Markus 8,11; Johannes 2,1; Lukas 24,41; Apostelgeschichte 10,41). Auch wird Seine Wiederkunft mit einem anschließenden festlichen Mahl in Verbindung gebracht (Matthäus 24,41; vgl. auch Markus 7,28; Lukas 6,21).

Selbst das Abendmahl (Markus 14,17ff) war damals noch nicht getrennt von der Einnahme des Abendessens. Man nahm das von JAHUSCHUAH aufgetragene Abendmahl mit Brot und Wein im Rahmen der Abendmahlzeit ein. Damals lud man zu diesen Mahlzeiten besonders auch die Armen ein:

„Das Abendmahl, Brotbrechen (Apostelgesch. 2,42.46), nebst der Taufe die einzige symbolische Handlung, wurde anfänglich bei den täglichen Zusammenkünften gefeiert und zwar gewiss in höchst einfacher Weise, da es mit einer Liebesmahlzeit verbunden war.“44

Da diese regelmäßigen Tischgemeinschaften zur Stärkung der Gemeinschaft sehr wichtig waren, wollte Paulus, dass hier kein Same für Spaltung, Unfrieden und Streit gelegt wird. Die Gläubigen sollten sich nicht über nichtige Streitfragen trennen, sondern sie sollen sich gegenseitig im Glauben stärken. Durch den ständigen Konflikt unter den Geschwistern über zweifelhafte und unwichtige Fragen, Bräuche und Ansichten wurde der Glaube des Einzelnen geschwächt.

Zu diesen unwichtigen und zweifelhaften Fragen gehörten auch die Ansichten der Gläubigen, die zur Askese neigen. Das muss nicht unbedingt heißen, dass diese Gläubigen einen gnostischen Hintergrund haben. Jedoch wird sehr viel Wert auf die Nahrungsauswahl gelegt, auf bestimmte Formen des Gottesdienstablaufs, auf das Wie der Gestaltung des Sabbats und auf Äußerlichkeiten, wie beispielsweise auf Haare und Kleidung. Eine solche Lebensweise ist keinesfalls falsch, solange diese Dinge nicht als heilsentscheidend eingestuft werden und solange sie nicht als verbindlich für die Glaubensgeschwister angesehen werden.

Herman Olshausen schreibt in seinem Bibelkommentar zu Römer 14,13-15, dass „jene Asketen die objektiv richtige Ansicht nicht hatten,“ aber ihr „subjektiver Irrtum ein unwesentlicher war“ 45. Der Autor berichtet diesbezüglich über den im ersten Jahrhundert lebenden Philosophen Seneca, den die asketische Lebensweise als Folge damaligen Sittenlosigkeit ebenfalls anzog sowie über die Eklektiker,46 welche sich bekehrten, aber ihre alltägliche Lebensweise beibehielten, ohne sie als heilsnotwendig zu betrachten, und wie gelassen Paulus mit der Situation umging:

„Seneca (Epistel 108) beschreibt, wie er selbst eine Zeit lang in einem ähnlichen Streben begriffen war; im Gegensatz gegen die herrschende Sittenlosigkeit und Genusssucht gingen viele edlere Gemüter zur strengen Verleugnung zurück. […] Eklektiker nun, von der Allgewalt des Christentums angezogen, setzten auch als Christen ihre gewohnte Lebensweise fort und Paulus will sie darin nicht gestört wissen, da sie diese nicht als notwendig zur Seligkeit geltend machten, wie die galatischen Judenchristen die Beschneidung. Jedenfalls müssen diese Asketen durchaus und sorgfältigst unterschieden werden von den pharisäischen Judenchristen, die Paulus überall verfolgten und gegen welche er den Galaterbrief schrieb.“ 47

Paulus konnte sich durch die Freiheit im Glauben bei den verschiedenen Gelegenheiten der gemeinsamen Mahlzeit anpassen und konnte sich so „allen zum Knecht machen“, damit er „umso mehr Menschen gewinne“ für JAHUSCHUAH (1. Korinther 9,19). Paulus passte sich an alle Lebensumstände im Rahmen der Gebote JAHUWAHs an.

„Den Juden bin ich wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne; denen, die unter dem Gesetz sind, bin ich geworden, als wäre ich unter dem Gesetz, damit ich die unter dem Gesetz gewinne; 21 denen, die ohne Gesetz sind, bin ich geworden, als wäre ich ohne Gesetz — obwohl ich vor Gott nicht ohne Gesetz bin, sondern Christus gesetzmäßig unterworfen —, damit ich die gewinne, die ohne Gesetz sind. 22 Den Schwachen bin ich wie ein Schwacher geworden, damit ich die Schwachen gewinne; ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise etliche rette. 23 Dies aber tue ich um des Evangeliums willen, um an ihm teilzuhaben.“ (1. Korinther 9,20-23)

Paulus darf hier jedoch nicht dahingehend missverstanden werden, dass er sich um des Evangeliums willen jede „Schwachheit“ selbst aneignete. Er tat dies nur, sofern er sich im Rahmen der Gebote JAHUWAHs bewegte und es sich um, für das Heil belanglose menschliche Ansichten bzw. zweifelhafte Fragen (Römer 14,1) handelte. In dem oben bereits erwähnten Kommentar heißt es zu den Versen 21-23 (Römer 14):

„Wo es sich um positive Gebote oder Verbote Gottes handelt, hat die subjektive Überzeugung gar keine Stimme.“ 48

Ein Glaubensstarker steht über den Dingen, die für den Glauben und die Messias-Nachfolge nicht von Bedeutung sind. Denn er weiß, dass er sein ganzes Leben dem Messias zu verdanken hat und dass alles aus Ihm im Glauben entspringt. Ein Glaubensstarker ist somit auch in der Lage, sich dem Glaubensschwachen in Situationen anzupassen, wo dieser Gefahr läuft, vom Glauben abzukommen – solange es nicht die Gebote JAHUWAHs betrifft. Denn was sind schon Essensfragen, wenn dadurch das Heil meines Glaubensbruder oder Glaubensschwester auf dem Spiel steht, für das der Messias Sein Leben gegeben hat (Römer 14, 15)? Auch muss sich der Glaubensstarke nicht selbst kasteien, um eine Annahme bei JAHUWAH aus eigener Kraft zu erreichen.

 

Richte und urteile nicht über den Anderen


„Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder du, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden ja alle vor dem Richterstuhl des … [Messias] erscheinen“. (Römer 14,10)

Im gesamten Kapitel 14 geht es darum, dass wir über andere nicht urteilen, sondern uns sogar selbst zugunsten unseres Glaubengenossen zurücknehmen sollen. Das kann soweit gehen, uns in gewissen Situationen ihm anzupassen, damit dieser das Ewige Leben nicht verliert, weil er durch uns veranlasst werden könnte, vom Glauben abzukommen. Niemand soll über Randthemen wie z.B. Essen, Kleidung oder sonstige Lebensgewohnheiten über einen anderen urteilen.

Da der Messias für meinen Glaubensbruder oder Glaubensschwester starb, „achte jeder den andere höher als sich selbst“ (Philipper 2,3), egal welche Ansichten er/sie hinsichtlich Randfragen hat. Jeder einzelne gehört dem Messias an und ist ihm individuell Rechenschaft schuldig. Das Richten und Verurteilen steht niemandem zu (Römer 14,10-12). Einzig und allein der Sohn JAHUSCHUAH im Auftrag Seines Vaters wird die Menschen richten (Römer 2,16; 2. Timotheus 4,1).

Gläubige können in vielen Dingen unterschiedlicher Auffassung sein und dabei kann jeder recht haben; einfach deshalb, weil es sich um Dinge handelt, die für das Heil nicht relevant sind. Nur glaubt der „fleischliche“ Mensch eben, er selbst habe recht, was der Andere gefälligst erkennen müsse. Eine Ansicht über bestimmte Dinge des täglichen Lebens (Essen, Kleidung, Organisation, etc.) ist nicht deshalb falsch, weil der Andere denkt, es sei falsch.

Zudem muss uns immer bewusst sein, dass der eine nicht dieselbe Erkenntnis zur selben Zeit hat, wie der andere. Niemand soll sich einbilden, dass er „im Glauben und Erkenntnis weiter“ sei als der andere. Für mich drängen sich im jetzigen Moment und Lebenslage bestimmte Erkenntnisse auf, für dich wieder andere. Ich muss mich für mein Handeln vor JAHUWAH verantworten und du musst dich für dein Handeln verantworten. Jeder sei sich seiner Meinung gewiss (Römer 14,15). Denn jeder der gegen sein Gewissen handelt, der sündigt (Römer 14,20). Deshalb gibt Paulus den Rat, sich nicht gegen die Ansichten der „Schwachen“ zu stellen, weil sie sonst gegen ihr Gewissen handeln könnten. Niemand sollte sich vom Anderen drängen lassen, gegen sein eigenes Gewissen zu handeln (1.Korinther10,29). Wir dürfen uns nicht auf die Erkenntnis eines anderen Menschen verlassen, auch wenn noch soviele Argumente zusammengetragen werden, sondern immer im persönlichen Gebet JAHUWAH im Namen Seines Sohnes um Erkenntnis bitten.

„Wenn aber jemandem unter euch Weisheit mangelt, so erbitte er sie von Gott, der allen gern und ohne Vorwurf gibt, so wird sie ihm gegeben werden. Er bitte aber im Glauben und zweifle nicht; denn wer zweifelt, gleicht der Meereswoge, die vom Winde hin und her getrieben wird.“ (Jakobus 1,5-6)

Persönlich bin ich JAHUWAH gegenüber verantwortlich und muss meinem Gewissen in bestimmten Lehrfragen folgen, so wie ich es erkannt habe (Römer 14,5). Untereinander aber sollten wir die Geduld, Gelassenheit, Verständnis und Liebe aufbringen, auch andere Überzeugungen zu ertragen. Denn „daran wird jedermann erkennen, dass ihr Meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“ (Johannes 13,35).

„So lasst uns nun nach dem streben, was zum Frieden und zur gegenseitigen Erbauung dient“ (Römer 14,19), und lasst uns nicht endlose Diskussionen führen, "was zu nichts nütze ist als zur Verwirrung der Zuhörer.“ (2. Timotheus 2,14). Niemand muss den anderen mit allen Mitteln versuchen, ihn von seiner eigenen Erkenntnis zu überzeugen. Es ist der Heilige Geist JAHUWAHs durch den Sohn JAHUSCHUAH, der an jedem einzelnen und aufrichtigen Herzen wirken möchte – nicht die endlosen Diskussionen, oft über Themen, die zum Heil gar nicht dienlich sind.

Römer 14 handelt von praktischen Lebenssituationen der Heiden- und Judenchristen in der griechisch-römischen heidnischen Welt. Schwachheit im Glauben ist das Verhalten derjenigen, die zu viel Wert auf Traditionen und Menschengebote legen, die nicht in der Heiligen Schrift zu finden sind und die sich an den Buchstaben des Gesetzes klammern ohne die umwandelnde Kraft des Geistes JAHUWAHs im Herzen zu haben. Der Schwache stellt Regeln des alltäglichen Lebens auf, die er als allgemeinverbindlich sieht oder hat Angst, dass er verdammt ist, wenn er gewisse Traditionen oder Bräuche unterlässt.

Die Juden hatten ihre Fastentage samt ihren „Bürden“ sowie die Angst, dass „unreines Fleisch“ zu einem gewöhnlichen Fleisch als Speise deklariert wird; und die Heiden ihre Götzen, vor denen sie sich nach wie vor fürchteten. Zudem kam die Philosophie der gnostisch-asketischen Lebensweise, die sowohl Heiden wie Juden betraf. Alles aber waren Bräuche und Lehren der Menschen. Auch wenn Paulus im Brief an die Römer Kapitel 14 vorzüglich die Heidenchristen ansprach, so richtete er sein Wort auch an die Judenchristen der römischen Gemeinde.

Keinesfalls werden in Römer 14 Anordnungen und Gebote des Schöpfers behandelt. Denn diese sind nicht „zweifelhaft“. Gehorsam dem Gesetz JAHUWAHs wird niemals als Schwachheit im Glauben definiert. Jeder kann sich innerhalb des vom Schöpfer vorgegebenen Rahmens der Zehn Gebote frei bewegen und sein tägliches Leben gestalten. Durch den Messias sind wir frei und so sollte niemand hierüber über den anderen urteilen.

Ist alles erlaubt? Ja, im Rahmen der Gebote des Schöpfers sowie im Rahmen unseres eigenen Gewissens und unserer eigenen Erkenntnis, welche uns der Geist des Himmlischen Vaters durch Seinen Sohn gibt – jedem zu seiner jeweils bestimmten Zeit.

 




1 Alle Bibelverse auf Bibel-Offenbarung sind, wenn nicht anders gekennzeichnet, solche der Schlachter 2000 oder der Elberfelder CSV. Up

2 Die Vorgehensweise ist Ende des 16. Jahrhunderts aus Vorstellungen protestantischer Gelehrter hervorgegangen, die davon überzeugt waren, dass jeder Bibelvers unabhängig von seinem Kontext das Wort Gottes und wahr sei. Up

3 Merrill F. Unger, Ungers Großes Bibel Handbuch, 3. Aufl. 2003, S. 487 Up

4 Michael Theobald, Studien zum Römerbrief, unveränderte Studienausgabe 2003, S. 9 Up

5 Sueton, Leben des Claudius, Kap. 25,1, zitiert in: Hans Conzelmann, Geschichte des Urchristentums, Grundrisse zum Neuen Testament, Bd. 5, 1976, S. 145 Up

6 H.A.W. Meyer, Kritisches Exegetisches Handbuch über den Brief des Paulus an die Römer, Göttingen 1865, S. 24, zitiert in: Ekkehard W. Stegemann, Der Römerbrief: Brennpunkte der Rezeption, Aufsätze – Ausgewählt und herausgegeben von Christina Tour und Peter Wick, Theologischer Verlag Zürich, 2012, S. 42 Up

7 Michael Theobald, Studien zum Römerbrief, unveränderte Studienausgabe 2003, S. 10 Up

8 Ekkehard W. Stegemann, Der Römerbrief: Brennpunkte der Rezeption, Aufsätze – Ausgewählt und herausgegeben von Christina Tour und Peter Wick, Theologischer Verlag Zürich, 2012,S. 36-40 Up

9 andere Übersetzung „Völkerapostel“ oder „Apostel der Nationen“, das heißt, seine Mission erging an die nicht-jüdische Bevölkerung. Up

10 Michael Theobald, Studien zum Römerbrief, Unveränderte Studienausgabe 2003, S. 24 Up

11 Michael Theobald, Studien zum Römerbrief, Unveränderte Studienausgabe 2003, S. 23; Hervorhebung nicht im Ursprungstext. Up

12 August Neander, Allgemeine Geschichte der christlichen Religion und Kirche, Band I, 2. Abt., Hamburg, 1826, S. 514; aufgrund der besseren Lesbarkeit wurde die Grammatik der modernen Rechtschreibung angepasst. Up

13 Wikipedia,https://de.wikipedia.org/wiki/Sonntag, abgerufen am 03.04.2017 Up

14 Theodor Zahn, Geschichte des Sonntags Vornehmlich in der Alten Kirche, 1878, S.13-14, in: Skizzen aus dem Leben der alten Kirche, Leipzig, 1908, S. 206; aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde die Grammatik der modernen Rechtschreibung angepasst. Up

15 Apostolischen Constitutionen und Canonen, Aus dem Urtexte übersetzt von Dr. Ferdinand Boxler, Bibliothek der Kirchenväter, 1 Serie, Band 19, Siebtes Buch, Nr. 23 Vom Fasten, Kempten 1874; in digitalisierter Form, S. 124, aufzurufen unter: www.unifr.ch/bkv/rtf/bkv267.rtf Up

16 Die Didache 8,1; zitiert in: Hans Conzelmann, Geschichte des Urchristentums, 3. Auflage 2011, S. 100 Up

17 Jüdisches Fest, das an die Rettung der persischen Juden erinnern soll. Man begründet dieses Fest mit Esther 9. Dort beschloss Mordochai (Fürst unter König Ahasveros mit großem Einfluss) den Sieg der Juden am 14. Und 15. Adar (1. Monat) zu feiern und machte es zur Pflicht, es jedes Jahr zu feiern (Esther 9,20.22). Das Fest erinnert an Karneval/Fasching, denn die Juden verkleiden sich und trinken auch recht viel Alkohol an diesem Tag. Up

18 Hanukkah (Lichterfest) ist ein acht Tage dauerndes, jährlich gefeiertes Fest bei den Juden zum Gedenken an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem (164 v.u.Z) am 25. Kislew (November/Dezember). Up

19 Rosch ha-Schana ist der jüdische Neujahrstag am 1. Tischri (September/Oktober). Up

20 Reclams Bibellexikon, Hrsg. Klaus Koch, Eckart Otto, Jürgen Roloff und Hans Schmoldt, 6. Aufl. 2000, S. 376 Up

21 Die Septuaginta (auch bezeichnet als „LXX“) ist die älteste durchgehende Übersetzung der Schriften des Alten Bundes in die altgriechische Alltagssprache (Koine-Griechisch). Die Übersetzung entstand zwischen 250 v.u.Z.; fast alle Bücher waren bereits 100 v.u.Z. fertiggestellt. Sie enthält zusätzlich die apokryphischen Bücher. Diese Übersetzung ist jedoch ‚alles andere als wörtlich konkordant‘ (https://de.wikipedia.org/wiki/Koine; abgerufen am 03.04.2017) Up

22 Analytic Septuagint mit Akzenten, Strong Nummern und Morphologie, Suche Strong’s Nummer 2839, www.obohu.cz/bible/index.php?hledat=2839&k=Lv&styl=LXXAA&kap=10&kde=1 Up

23 Ursprüngliche Bedeutung „allgemein“ oder „gemeinsam“, wie in Apostelgeschichte, 2,44; 4,32; Titus 1,4 und Judas 1,3 Up

24 Harald Weigt, Verstehst Du auch, was Du liest?, Adventverlag Lüneburg, 2002, S. 170 Up

25 Encyclopedia Judaica, Zweite Auflage, Band 1, S. 261: „Rituelle Waschungen wurden erst ausgeführt, wenn der Körper bereits sauber gewaschen war“. Up

26 Raphael Posner, Ablation, in: Encyclopedia Judaica, Zweite Auflage, Band 1, S. 262; eigene Übersetzung Up

27 Raphael Posner, Ablation, in: Encyclopedia Judaica, Zweite Auflage, Band 1, S. 261.263; eigene Übersetzung Up

28 Der Römerbrief ist der einzige Brief an eine Gemeinde, die Paulus nicht selbst gegründet hatte, aber die er besuchen wollte. Deshalb könnte Paulus darin „wesentliche Gesichtspunkte aus seinen früheren Briefen (vor allem aus dem Galater- und dem 1. Korintherbrief)“ weitergeführt haben, siehe: Reclams Bibellexikon, Stuttgart, 6. Auflage 2000, S.434 Up

29 Kurt Rudolph, Die Gnosis – Wesen und Geschichte einer spätantiken Religion, Göttingen 2011, S. 277 Up

30 Mani betrachtete sich als Apostel Christi und als Fortsetzer und Vollender von dessen Lebenswerk. Up

31 Kurt Rudolph, Die Gnosis – Wesen und Geschichte einer spätantiken Religion, Göttingen 2011, S. 352 Up

32 Jaan Lahe, Die Berührungspunkte zwischen Gnosis und Judentum und ihre Widerspiegelungen in den authentischen Briefen des Paulus, Tartu 2004, S. 30 Up

33 Kurt Rudolph, Die Gnosis – Wesen und Geschichte einer spätantiken Religion, Göttingen 2011, S. 173 Up

34 Kurt Rudolph, Die Gnosis – Wesen und Geschichte einer spätantiken Religion, Göttingen 2011, S. 280 Up

35 1945/1946 wurden in Nag Hammadi in Ägypten eine ganze Bibliothek mit vielen gnostischer Schriften gefunden worden, unter anderem auch das Thomasevangelium, eine Apokalypse des Paulus sowie auch manichäische Texte. Up

36 Kurt Rudolph, Die Gnosis – Wesen und Geschichte einer spätantiken Religion, Göttingen 2011, S. 182 Up

37 Raphael Posner, Ablation, in: Encyclopedia Judaica, Zweite Auflage, Band 1, S. 263; eigene Übersetzung Up

38 Askese kommt in den Schriften des Alten Bundes nur im Zusammenhang mit der Trauer (2 Sam 1,12), der Buße (1. Samuel 7,6; 1. Könige 21, 27; Jona 3,5; Joel 1,14) vor, wobei diese im Zusammenhang mit einer konkreten Situation standen. Up

39 Jaan Lahe, Die Berührungspunkte zwischen Gnosis und Judentum und ihre Widerspiegelungen in den authentischen Briefen des Paulus, Tartu 2004, S. 79 Up

40 Jaan Lahe, Die Berührungspunkte zwischen Gnosis und Judentum und ihre Widerspiegelungen in den authentischen Briefen des Paulus, Tartu 2004, S. 163 Up

41 Flavius Josephus, Jüdischer Krieg, 2:129,149,150, in: Raphael Posner, Ablation, in: Encyclopedia Judaica, Zweite Auflage, Band 1, S. 261; eigene Übersetzung Up

42 Adolf Harnack, Dogmengeschichte, Erster Band, Freiburg I.B. 1888, S. 207 Up

43 Hermann Olshausen, Biblischer Kommentar über sämtliche Schriften des Neuen Testaments zunächst für Prediger und Studierende, dritter Band, erste Abteilung, Die Briefe Pauli an die Römer und Korinther, Königsberg, 1835, S. 421 Up

44 J. J. Herzog, Abriss der gesammten Kirchengeschichte, Erster Teil, 1875, S. 30; aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde die Grammatik der modernen Rechtschreibung angepasst. Up

45 Hermann Olshausen, Biblischer Kommentar über sämtliche Schriften des Neuen Testaments zunächst für Prediger und Studierende, dritter Band, erste Abteilung, Die Briefe Pauli an die Römer und Korinther, Königsberg, 1835, S. 425 Up

46 Eklektiker waren Anhänger der verschiedenen philosophischen Schulen und Lehren, aus denen sie sich das für sie als richtig Erscheinende auswählten (Kirchner/Michaëlis: Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe, 1907, S. 168). Up

47 Hermann Olshausen, Biblischer Kommentar über sämtliche Schriften des Neuen Testaments zunächst für Prediger und Studierende, dritter Band, erste Abteilung, Die Briefe Pauli an die Römer und Korinther, Königsberg, 1835, S. 421-422; aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde die Grammatik der modernen Rechtschreibung angepasst Up

48 Hermann Olshausen, Biblischer Kommentar über sämtliche Schriften des Neuen Testaments zunächst für Prediger und Studierende, dritter Band, erste Abteilung, Die Briefe Pauli an die Römer und Korinther, Königsberg, 1835, S. 422 Up


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